INEXPUGNATUS - Warum mein Grey Knights Land Raider Drachenköpfe an den Laserkanonen hat. [Kurzgeschichte]

  • [Systemneustart]


    [Initiiere automatische Selbstdiagnose]


    [Starte Systemabfrage]


    [Basisfunktionen: kritisch; Energieversorgung: kritisch; Antriebssystem: kritisch; Optische Sensoren: kritisch; Waffensysteme: kritisch]


    [Selbstdiagnose abgeschlossen. Einsatzfähigkeit: 12,5%. Wartung dringend erforderlich]



    Die mächtige Kriegsmaschine lang tief eingraben im schlammigen Boden, den sie mit ihren eigenen Ketten aufgewühlt hatte. Der Rumpf, seine ursprüngliche Farbe vor lauter Verwitterung kaum mehr erkennbar, war gezeichnet von Laserschüssen und Granatentreffern. Doch keiner davon schien die Panzerung aus Adamantium, Stahl und Ceramit ernstlich verletzt zu haben.


    Eine hünenhafte Gestalt in einer stahlgrau schimmernden Rüstung umwanderte den Panzer und begutachtete seinen Rumpf von allen Seiten. Mit schweren Schritten trat er über die Überreste gefallener Astartes hinweg. Die Schlacht musste lange zurückliegen. In den geborstenen und zerrissenen Servorüstungen steckten nur noch bleiche Knochen. Die ganze Kompanie musste hier ihr Ende gefunden haben, ohne dass ihr Orden darüber Kenntnis erhalten hatte. Andernfalls wäre der wertvolle Panzer sicherlich geborgen worden. Jetzt waren nicht einmal mehr die schützenden Siegel des Adeptus Mechanicus auf der Maschine zu erkennen.


    Ein Geschenk der Götter. Syktywkars Kriegsschar konnte den Panzer gut gebrauchen. Mit etwas Glück waren seine Systeme noch so weit intakt, dass er sich wieder herrichten ließ. Syktywkar ergriff die Sprossen an der rechten Seitenluken und erklomm das Dach des Gefährts. Er kniete nieder und zerrte an der primären Zugangsluke. Die Verschlussmechanismen hielten. Ob sie noch intakt oder durch Korrosion festhielten, ließ sich von außen schwer feststellen. Er sah sich um. Unter tellergroßen Metallkuppeln verbargen sich die externen Zugriffspunkte. Grobe Fußtritte genügten, um die Abdeckungen zu entfernen. Wie die Köpfe einer Hydra wanden sich die Werkzeugarme seines Servoharnischs hervor, Greifer und Kupplungen bissen sich in den Systemzugängen des Land Raiders fest.



    [Registriere externen Systemzugriff; erwarte Verifizierung der Zugangsberechtigung: Adeptus Mechanicus oder Adeptus Astartes]


    [Erbitte dringend Unterstützung bei Systemwiederherstellung; Energieversorgung wechselt in Notbetrieb; Einsatzfähigkeit: 10% und fallend]



    Syktywkar sandte seinen Systemcode durch die Verbindungen. Sein Verstand, mit den Systemen seines Servoharnischs gekoppelt, suchte die Verbindung mit dem Maschinengeist des Land Raiders.



    [Fehlerhafte Eingabe; Zugehörigkeit des Nutzers zum Adeptus Mechanicus oder Adeptus Astartes nicht verifiziert; verweigere Zugriff]



    „Ein störrischer Maschinengeist“, lachte Syktywkar. „Selbst wenn es mit ihm zu Ende geht.“ Er positionierte einige der Kuppelungen um.



    [Unautorisierter Zugriff, Identität des Nutzers nicht verifiziert, Zugriff verweigert; Zugriff verweigert; Zugriff verweigert]


    [Einsatzfähigkeit: 7,5%; Systemversagen steht bevor]



    Syktywkar schickte weitere Codezeilen in das System des Land Raiders. Codes, die er selbst in Jahrhunderten perfektioniert hatte, um die Maschinengeister der Astartes-Panzer zu unterwerfen. Er war stolz darauf.



    [Fehler in den Sicherheitsroutinen; unberechtigter Zugriff auf Systeme]



    „Na also“, sagte Syktywkar mit seiner metallischen Stimme. „Jetzt werden wir sehen, was sich mit dir noch anfangen lässt.“



    [Systemwiederherstellungsprotokolle eingeleitet; Basis: eingeschränkt; Reaktor: eingeschränkt; Antriebssystem: kritisch; Optische Sensoren: kritisch; Waffensysteme: kritisch]


    [Einsatzfähigkeit 12,25% und stabil]



    Ein leichtes Beben lief durch den Rumpf. Syktywkar ließ sich davon nicht aus dem Gleichgewicht bringen, die schweren Stiefel seiner Rüstungen hielten ihn standfest. Ein dumpfes Brummen, das innerhalb von Sekunden zu einem hohen Heulen anstieg, signalisierte das Hochfahren des Reaktors.



    [Systemwiederherstellung läuft; Basis: normal; Reaktor: eingeschränkt; Antriebssystem: kritisch; Optische Sensoren: eingeschränkt; Waffensysteme: kritisch]


    [Einsatzfähigkeit 20% und steigend]



    „Na siehst du. Kein Grund, sich zu sträuben. Ich will dir nur helfen.“ Syktywkar grinste höhnisch hinter dem Voxgitter seines Helmes. Er winkte seinen Tross aus Servitor-Sklaven heran. Zwei schleppten eine schwere, kohlschwarze Schatulle. Die Messingbeschläge zeigten das Zeichen des Achtzackigen Sterns. Sie hievten den Behälter zu dem Warpschmied hinauf.


    Syktywkar nahm die Kiste entgegen, platzierte sie auf dem Dach und öffnete die Verschlüsse. Er nahm einen prismenförmigen Gegenstand heraus, hob ihn, fest mit der Hand umschlossen, vor sein Gesicht und betrachtete ihn prüfend. Im Inneren des kristallinen Gegenstandes pulsierte und wand sich ein rotviolettes Licht. Der Warpschmied stimmte einen beschwörenden Singsang an, der bedrohlich metallen aus seinem Voxgitter schallte. Ein Servoarm löste sich von dem Panzer und ergriff das Prisma. Unheilige Energien strömten aus dem Artefakt in den Harnisch. Syktywkars Körper bebte vor Erregung. Der Beschwörungsgesang verstärkte sich zu einem Dröhnen. Er ließ die Machte des Warps durch sich hindurchfließen, um dem erhabenen Wesen die Inbesitznahme der Astartes-Maschine zu ermöglichen.



    [Systemwiederherstellung läuft; Basis: normal; Reaktor: normal; Antriebssystem: eingeschränkt; Optische Sensoren: eingeschränkt; Waffensysteme: eingeschränkt]


    [Einsatzfähigkeit 45% und steigend]


    [Registriere fremde Präsenz; Identifikation: unbekannt; vermutete Klassifikation: Warpentität; Status: feindlich; verweigere Zugriff, verweigere Zugriff; benötige Unterstützung; feindliche Übernahme der Einheit droht; benötige Unterstützung]



    Der Beschwörungsgesang des Warpschmieds steigerte sich zu einem rasenden Brüllen und Kreischen, das die Servitoren sich in den Schlamm niederwerfen ließ. In wenige Augenblicken würde das Ritual abgeschlossen sein. Der Dämon würde den Maschinengeist bezwungen und die Kontrolle über den Land Raider übernommen haben. Ein weitere Dämonenmaschine im Dienst der Dunklen Götter.



    [Einsatzfähigkeit 75% und steigend; die Einheit benötigt Unterstützung; feindliche Übernahme steht bevor; Waffensysteme: eingeschränkt]


    [Optische Sensoren: normal; identifiziere Häretiker Astartes]


    [Antriebssysteme: normal; leite Abwehrmaßnahmen ein]



    Unvermittelt heulten die Motoren des Land Raiders auf. Die Ketten setzten sich rasselnd in Bewegung, erst stockend, dann stetig, und wirbelten den Schlamm auf. Der Panzer ruckte vor und zurück. Überrascht von der plötzlichen Aktivität, verlor Syktywkar das Gleichgewicht und stürzte auf das Deck. Die Servorarme rissen aus den Zugriffsbuchsen. Ein Kreischen zerriss die Luft. Das Ritual war nicht abgeschlossen. Die Warpentität wurde aus den Systemen des Panzers gerissen.



    [Feindlicher Übergriff unterbunden; setze Maßnahmen fort]



    Der Panzer ruckte erneut vor und zurück, und begann, sich um die eigene Achse zu drehen, erst nach rechts, dann nach links, dann wieder vor und zurück. Immer wieder wechselte er die Fahrtrichtung. Die stumpfen Servitoren waren nicht in der Lange, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen, und wurden unter seinen Ketten zermalmt und in den Schlamm eingraben.


    Schließlich gelang es dem Land Raider, den Warpschmied von seinem Rücken zu werfen. Syktywkar stürzte in den Schlamm. Schwerfällig richtete er sich auf. Zorn erfüllte ihn, und noch etwas anderes. Zuerst hatte er geglaubt, der Dämon wäre nach dem gescheiterten Ritual in den Warp entschwunden. Doch dem war nicht so. Er konnte seine Präsenz spüren. Das erhabene Wesen hatte sich in die Systeme seines Servoharnischs geflüchtet. Die Macht, die ihn dadurch erfüllte, war unvergleichlich. Warum war er nicht schon früher auf diesen Gedanken gekommen?


    Er wandte sich wieder dem Land Raider zu. So leicht würde er den verfluchten Astartes-Maschinengeist nicht davonkommen lassen. Wieder schossen die schlangengleichen Servorarme vor, diesmal knisternd vor dämonischer Energie.



    [Identifiziere Häretiker Astartes; Einsatzfähigkeit 80% und stabil; Waffensysteme: eingeschränkt; Einheit setzt Abwehrmaßnahmen fort]



    Der Land Raider schwenkte auf den Warpschmied ein und hob die schwere Bolter an seiner Front. Doch statt Boltgeschossen stießen die Rohre nur ein metallisches Rasseln aus. Syktywkar lachte. In seiner verzerrten Stimme schallte das infernalische Kichern des Dämons mit. Der Land Raider richtete seine Laserkanonen aus und schoss.



    [Abwehrmaßnahmen abgeschlossen; Reaktor: kritisch; Energiereserven: 8% und fallend; Einheit fährt System herunter]




    Horatio löste die Kupplungen seines Servoharnischs von den Kontrollpanelen in der Kommandokanzel des Land Raiders. Andächtig strich er mit seinem silbernen Handschuh über die Innenverkleidung.


    „Nun?“


    Horatio drehte sich um. Bruder Thidias wirkte in seiner mächtigen, silbernen Terminatorrüstung hier wie eingezwängt. Die beiden Grey Knights traten durch die geöffnete Frontluke heraus. Wenige Schritte vor dem Rumpf der heiligen Maschine lag der Leichnam des Warpschmieds. In die Brustplatte seines Servoharnischs war ein großes, schwarz umrandetes Loch geschmolzen.


    „Der Maschinengeist ruht. Aber er kann wiedererweckt werden. Alle Systeme sind in funktionsfähigen Zustand.“


    „Das war nicht meine Frage“, entgegnete der Justicar.


    „Er ist unberührt vom Chaos“, antwortetet der Techmarine. „Er hat sich allein der Verräter und ihrer dämonischen Verbündeten erwehrt, wie man es von einem Diener des Imperators erwarten darf. Er wäre würdig, Teil unseres Ordens zu werden.“


    „Und du hast keine Zweifel, Bruder Horatio?“ Skeptisch betrachtete Thidias den Panzer.


    „Würdest du an einem Bruder aus Fleisch und Blut zweifeln, der, schwer verwundet, seine Feinde erschlagen und einen Dämon zurück in den Warp gesandt hat?“


    „Nicht, wenn der Ordenspriester ihn für rein erklärt.“


    „Zählt mein Wort hier nicht wie das eines Ordenspriesters?“


    „Das tut es“, räumte der Justicar ein. “Doch sein Erscheinungsbild lässt Zweifel übrig.“ Thidias deutete auf die Drachenköpfe, die an den Mündungen der Laserkanonen prangten.


    „Man kann sie austauschen. Doch angesichts seiner Taten hier würde ich sie belassen, als Trophäen, die seine Geschichte erzählen.“


    „Wir werden sehen“, sagte Thidias. „Hat dieser Panzer einen Namen?“


    „Inexpugnatus“, antwortete der Techmarine.


    P1000937-1536x864.jpg


  • Ich hab mich jetzt doch einmal an diese etwas unkonventionellere Hintergrundgeschichte gewagt und sie in eine (nach literaturwissenschaftlichen Kriterien formgerechte) Kurzgeschichte gebracht. Allerdings fehlt mir noch ein Titel. Der sollte der Name des Land Raiders sein, nur hab ich noch keinen gefunden, daher die xxxx in der letzten Zeile und der umständliche Threadtitel.


    Es sollte ein lateinischer Name sein. Ich hatte an "unbezwungen" gedacht. Aber einmal in den Übersetzer eingegeben zeigte gleich: ne, das Wort ist schon besetzt, und zwar einige Etagen zu hoch.:D Für Vorschläge bin ich aber offen,

  • Mondschatten

    Hat den Titel des Themas von „Warum mein Grey Knights Land Raider Drachenköpfe an den Laserkanonen hat.“ zu „Warum mein Grey Knights Land Raider Drachenköpfe an den Laserkanonen hat. [Kurzgeschichte]“ geändert.
  • Ich finde die Geschichte richtig toll!!


    Das mit den Namen kenn ich. Echt schwer. Vorlebt ein Doppelname? "Adhuc sto" (Ich stehe noch)?
    sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss, aber vielleicht lässt dich in der Richtung ja noch was besseres finden?

  • Danke für die Rückmeldung.^^


    Ich hatte etwas Sorge, dass die Erzählung zu viele Lücken hat (was zum Stil von Kutzgeschichten gehört.) In die Wahrnehmung des Maschinengeists muss man sich schon reindenken.


    Namensmäßig bin ich über Umwege doch wieder zu "unbezwungen" zurückgekommen, allerdings aus einem anderen Wortstamm: "Inexpugnatus"


    Expugno=bezwingen, unterwerfen leitet sich von pugnare=kämpfen ab, im Gegensatz zu indomitus, das von domare aus dem Wortfeld dominus=der Herr.


    Die Form mit dem Negations-Präfix in- bei expugno gibt's im Wörterbuch zwar nicht, aber ich denke, das ist für 40K-Hochgothisch-Pseudolatein eine legitime Wortbildung. Dann das Partizip Perfekt, und fertig.

  • Mondschatten

    Hat den Titel des Themas von „Warum mein Grey Knights Land Raider Drachenköpfe an den Laserkanonen hat. [Kurzgeschichte]“ zu „INEXPUGNATUS - Warum mein Grey Knights Land Raider Drachenköpfe an den Laserkanonen hat. [Kurzgeschichte]“ geändert.
  • wie wäre es mit "der unbeugsame" "Invictus"?

    Ist das selbe wort wie unbezwungen.... 🤦🏼‍♂️

    Wobei... ich denke mal der Name ist nicht zu Gross. Erstmal,.... Landraider sind nicht so häufig und dazu noch ein Grey Knight.... der darf schon heroisch sein und der unbeugsame ist recht gut für einen Grey Knight die nunmal gar-nie-nicht aber auch niiiiiieeeemals korrumpierbar sind. Entschuldige meine übertreibung, das bezieht sich auf unkorrumpierbarkeit eines Grey Kngihts.


    Aber invictus ist ein guter name für einen landraider....


    Apropo schöne Geschichte und interessanter plot... macht spass weiterzulesen. 👍🏻😁


    Vielleicht incorruptus? Nein kling wie unterbrochener sex.😁

    Inmobile auch nicht so gut.... 😁

    Rigoroso....????

    Inconcusso....????


    imperterritus, stabilis, pertinax, determinatus


    Namen müssen kurz und knackig sein bei protagonisten....bei antagonisten die schnell weggewischt werden nicht. Ausser bei endgegnern.


    Ok das waren mal meine Gedanken dazu.:up:

    You are my unbroken blades. You are the Death Guard.


    +++ Mortarions erste Worte an seine Legion +++

    Einmal editiert, zuletzt von Ullius Faylon ()