Anton Kalen - Dem Abgrund entgegen

  • -Anton Kalen-

    Dem Abgrund entgegen




    Prolog

    Kapitel I

    Kapitel II


    Kommentare sehr gerne hier!


    Da Schriftdeutsch nicht meine Muttersprache ist, ist Korrekturlesen für mich recht Aufwendig. Da es sich hier um ein nicht-kommerzielles Projekt handelt, habe ich demnach darauf verzichtet. Ich entschuldige mich schon jetzt für allfällige Fehler. Falls mir zufällig mal was auffällt, werde ich das natürlich nach und nach korrigieren. Allenfalls durch euch gemeldete Fehler werden ASAP korrigiert.


    Dieser Kurzroman entsteht in direkter Zusammenarbeit mit Mondschatten - ich freue mich riesig darauf und bedanke mich schon einmal unendlich für Deinen Support!


    Diese Fanfic wird in unregelmässigen Abständen neue Kapitel erhalten. Ein Release-Datum für Kapitel XY gibt es nicht nicht (und wird es nicht geben - it's done when it's done).

    Gerne nehme ich auch kritische Kommentare entgegen oder lasse mich auf Diskussionen über das Setting, die Charaktere, ihre Denkweise etc. ein; beziehungsweise würde mich das sogar freuen und motivieren, dranzubleiben :)


    Ich schreibe die Story in Word und verwende Taschenbuchformat; sprich mit einem Einzug bei jeder neuen Zeile. Da das hier im Forum nicht Umsetzbar scheint, habe ich alle Einzüge durch Zeilenabstände ersetzt. Ich hoffe, es ist so leserlich genug!

  • Prolog


    Das Landeschiff durchstiess wie ein schwarzer Pfeil die Atmosphäre des Planeten. Eine dicke, schwarz-grau marmorierte Wolkenschicht hüllte die einsame Welt ein, die auf keiner Sternenkarte verzeichnet war.


    Der Orden hatte keine Mühen gescheut, sich verdeckt zu halten. Dharrconv, wie die in Dunkelheit gehüllte Kugel genannt wurde, war der einzige Planet seines Systems. Nicht mehr als ein paar Dutzend Tausend Menschen lebten auf der kargen, von Stürmen verheerten Welt. Kaum ein Sonnenstrahl durchdrang den andauern bewölkten Himmel, wodurch es nur eine spärliche Flora gab, welche die Planetenoberfläche noch trostloser wirken liess.
    Dennoch lag dort das Ziel des Inquisitors. Hier, auf Dharrconv, hatte der Orden seinen Tempel errichtet. Hier war das Heiligtum des Ordens. Hier hat sein Meister ihn hin befohlen.


    Das schwarze Schiff setzte ruhig auf der verlassenen Landeplattform auf. Unaufhörlich prasselte der Regen gegen die starke, gepanzerte Aussenhülle des Raumgleiters. Einige Minuten nach der Landung, öffnete sich die Transportluke mit einem lauten Zischen, als der Druck durch die unzähligen Ventile entwich und die Verriegelung löste. Der Inquisitor war alleine. Langsam, aber mit entschlossenem Schritt verliess er das Schiff, und ging auf die mächtige Kathedrale zu, die sich nicht unweit der Landezone befand. Ihre verzierten, gotischen Türme ragten steil in den wolkenbedeckten Himmel. Die metallenen Stützpfeiler wirkten wie gigantische Rippen einer monströsen Kreatur. Hunderte Jahre dem erbarmungslosen Dauerregen ausgesetzt, war das ganze Gebäude mit einer dunkelrosten Rostschicht überzogen.


    Als er vor dem gigantischen, mindestens zwanzig Meter hohen Tor stand, öffnete es sich scheinbar wie von Geisterhand.


    Wie ein Donner hallten seine schweren Schritte in der riesigen gotischen Säulenhalle, die hinter dem mächtigen Tor warteten. Ansonsten herrschte absolute Stille.


    Der Inquisitor schritt alleine durch die Kathedrale. Kleine Kohlenpfannen, die in engen Nischen an den Seitenwänden standen, gaben nur unzureichend Licht, so dass ein Grossteil der Halle in völliger Dunkelheit lag. Massige Betonskulpturen, die in dem schwachen Licht zu tanzen schienen, zierten die mehrere Dutzende Meter in die Finsternis steigenden Pfeiler, welche sich dann in einem finsteren Dunst aus Russ und Smog verloren.


    Mahnend, wie aus einer anderen Welt gesandt, um über die Besucher des düsteren Gebäudes zu richten, starrten die steinernen Figuren Claudius entgegen. Doch er mochte sie. Er mochte diesen Ort. Hier fühlte er sich dem Imperator am nächsten.


    Sein Schritt war entschlossen und zielgerichtet. Endlich näherte er sich dem Ende der Halle. In völlige Finsternis gehüllt befand sich dort sein Ziel – eine mächtige metallische Konstruktion, die an einen riesigen Thron erinnerte. Es war der Sitz des Grossmeisters, ebenso aber auch der Grossmeister selbst. Seit Jahrtausenden wurde er dort am Leben erhalten, bewegungsunfähig, aber bei Bewusstsein. Seine Weisheit führte den Orden schon weit länger, als Claudius es sich je hätte ausmalen können. Es war alleine dem Imperator zu verdanken, dass die besten seiner Kinder bis in alle Ewigkeit ihm dienlich sein konnten.


    Mitten aus dem energischen Schritt, hielt Claudius abrupt inne und kniete ruckartig vor dem Meister nieder. Er wagte es nicht, seinen Blick zu heben, als das Surren der Elektronik und das Schaben der rostigen, antiken Zahnräder erklang, welche davon kündeten, dass sich der Grossmeister ihm zuwandte.


    »Claudius August Freiherr von Erderlitz, Hoher von Tannen, Erster des Hauses Dreystein«, krächzte die mechanische Flüsterstimme seines Vorgesetzten. »Du bist alsbald zu mir gekommen. Gut gemacht, Sohn.«


    Claudius nickte demütig.


    »Ihr seid die Stimme des Imperiums. Mein Leben gehört euch.«


    »Und das Imperium braucht dich«, flüsterte der Alte mit grässlich rauer Stimme. »Inquisitor Anton Kalen. Ordo Xenos. Verräter. Ich habe Kunde erhalten, dass er Xenos-Technologie verwendet. Er ist als Abtrünnig zu betrachten. Kann ich auf dich zählen?«


    Claudius hätte sich geehrt fühlen müssen, für eine solch wichtige Aufgabe ausgewählt worden zu sein. Doch Empfand er nichts. Er erfüllte seine Pflicht. Um jeden Preis. Deshalb oblag es ihm, Abweichler zur Strecke zu bringen. Nur er war in der Lage, das Gesetzt des Imperators durchzusetzen. Ohne Gnade. Ohne Reue. Ohne Furcht.


    Der Inquisitor verbeugte sich noch tiefer vor dem Grossmeister, ehe er antwortete.


    »Ich werde Gerechtigkeit walten lassen. Wir sind der kalte Stahl, das Schwert des Imperiums. Wir sind die Klinge, die die Xenos richtet. Wir sind die gnadenlose Hüter der menschlichen Reinheit.«


    »Sei mein Schwert«, widerholte der Grossmeister röchelnd, während gleichzeitig mit einem Zischen einem der unzähligen Ventile ein gelblicher Dampf entwich. »Richte die Xenos. Behüte die Menschheit. Ja mein Sohn. Vernichte ihn. Die Gnade des Imperators ist auf deiner Linken, sein Zorn auf deiner Rechten. Nichts kann dich aufhalten.«


    Claudius wiederholte die Worte des Grossmeisters innerlich, als seine Servorüstung seinen Körper mit einer weiteren Dosis Chemikalien flutete, die seinen Eifer und seine unnachgiebige Entschlossenheit weiter verstärkte.


    Den Kopf noch immer ehrfürchtig gesenkt, erhob sich Claudius ruckartig, wandte sich um und verliess die Kathedrale einer Maschine gleich.

  • I


    »Ich denke, wir haben genug gesehen.«


    Der angesprochene, gross gewachsen und in einen weiten schwarzen Mantel gehüllt, die Kapuze tief in das hinter einem dunklen Schal verborgene Gesicht gezogen, nickte zustimmend. Sein Gefährte, in gleicher Weise gekleidet, schob den Lauf und das Schulterstück seines Scharfschützengewehres zusammen, entfernte das Zielfernrohr und schlug den elfenbeinfarbenen Schaft in ein Futteral aus dem gleichen, tief schwarzblauen Stoff wie sein Mantel ein. Dann band er sich das Bündel über dem Rücken fest.


    Die beiden Kundschafter spähten noch einmal über den Rand des Vordaches in den düsteren, verkommenen Hinterhof. Eben hatte ihre Zielperson, ein kleiner, hagerer Mann, sich von seinem Gesprächspartner getrennt und war dabei, den Ort in Richtung eines vergitterten Torbogens auf der gegenüberliegenden Seite zu verlassen. Der andere, groß gewachsen und besser gekleidet, als sein abgetragener, brauner Mantel es einen flüchtigen Beobachter weißmachen wollte, stand noch immer da und betrachtete zufrieden den in graue Lumpen eingewickelten Gegenstand, den er soeben erhalten hatte. Dann sah er sich noch einmal versichernd um und verschwand in die andere Richtung.


    »Wir hätten sie gleich ausschalten können«, sprach der zweite Beobachter. »Zwei Diener der Dunklen Götter weniger.«


    »Miermen[1] ist auf mehr aus. Diese zwei sind nur Gehilfen«, entgegnete der Scharfschütze. »Wir können ihm berichten, dass er mit seinem Verdacht richtig lag. Nun kann er entscheiden, wie er weiter vorgehen wird.«


    »Dann lass uns verschwinden.«


    Die beiden Späher huschten zurück zu der Stelle weiter hinten, an der das Flachdach an die mit Geländern und Fenstergittern versehene Fassade eines grösseren Gebäudes angrenzte. Den Spalt der schmalen Gasse, die drei Etagen tiefer in der Finsternis zwischen den beiden Wänden lag, überwanden die Gefährten mit scheinbar übermenschlicher Leichtigkeit, klammerten sich an den eisernen Stangen fest und kletterten behände die Fassade hinab. Unten angekommen tauchten sie in den Schatten zwischen den Häusern ein. Ihre schwarzen Mäntel machten die beiden beinahe Unsichtbar.


    Sie waren vielleicht zehn Minuten unterwegs und der Scharfschütze war eben um eine Häuserecke gebogen, sein Begleiter noch einige Schritte hinter ihm, als sich ihm ein grosser, breitschultriger Kerl in den Weg stellte. Überrascht hielt er inne.


    »Stehnbleiben, Xenos-Abschaum!« bellte der Mann.


    Der Späher sah sich verstohlen nach seinem Gefährten um, während seine Hand langsam nach seiner Pistole tastete.


    »Denk nichmal dran«, herrschte sein Gegenüber ihn an. Er war etwas kleiner als er selbst, aber, wie es sich so oft mit Chem-Pan-Sey verhielt, plumper, kräftiger gebaut und vermutlich auch von grösserer Körperkraft. Der Mann hatte kurz geschorene, graue Haare, trug abgewetzte Militärhosen, ein schmutziges Hemd und eine abgerissene Weste. Und er stank.


    An seiner Seite baumelte in einem Holster eine jener klobigen Pistolen, die seine Artgenossen zu nutzen pflegten. Er hatte seine einer Pranke gleichende rechte Hand daraufgelegt und glotze den Aeldari aus kleinen Augen an, deren Ausdruck dem eines Wildschweins glich: unberechenbar und von minderer Intelligenz.


    Der Weltenwanderer hörte schlurfende Schritte in seinem Rücken. Ohne sich umdrehen zu müssen, wusste er, dass zwei weitere Menschen hinter ihn getreten waren. Den Schritten nach musste der eine von ähnlicher Statur sein wie der, der ihm gegenüberstand. Der andere mochte ein wenig schlanker und leichter gebaut sein. Von Körperhygienen hielten beide ebenso wenig.


    Sekunden angespannter Stille verstrichen, in denen keiner der Gegner sich rührte. Der Weltenwanderer versuchte, seine Möglichkeiten abzuschätzen. Er war ein leidlicher Nahkämpfer, die Chem-Pan-Sey waren ihm körperlich und in der Zahl überlegen. Die Wände links und rechts waren blank und fensterlos, nichts, woran er hätte emporklimmen können.


    »Mach keine Schwierigkeiten, dann wirds leichter für dich«, sagte der Anführer mit einem Grinsen und tat einen Schritt auf den Späher zu. Der zog die leere Hand aus dem Mantel hervor und blieb reglos stehen.


    »Na also, braver Xenos«, feixte der Mann, trat vor den Weltenwanderer und griff nach seinem Mantel, um ihm die Waffe abzunehmen. Doch als seine Hand vorfuhr war der Eldar schon nicht mehr an dieser Stelle. Mit der übermenschlichen Gewandtheit einer Art war er an dem Menschen vorbeigeglitten und hatte sein Kampfmesser gezogen. Die Klinge traf gegen die Seite des Mannes, glitt jedoch an der Panzerweste ab, die er unter seinem schmutzigen Hemd trug.


    Der Söldner war nicht so naiv zu erwarten, dass sein Ziel sich ohne Gegenwehr ergeben würde. Diese Xenos waren bekannt für ihre Hinterhältigkeit. Doch bei all seiner Beweglichkeit konnte der Eldar nicht drei Angreifern gleichzeitig ausweichen. Während er sich nach der missglückten Attacke gegen ihn wieder in Position zu bringen versucht, war der agilere seiner Männer an ihn herangesprung und versetzte dem Alien einen Tritt in den Rücken.


    Der Weltenwanderer taumelte nach vorne, direkt auf den Anführer zu. Noch ehe er sich wieder fangen konnte, versetze der Mann ihm einen Faustschlag gegen die Brust, der ihn nach Atem ringend in die Knie gehen liess, packte seinen Arm und drehte ihn zur Seite, bis sein Gegner mit einem schmerzhaften Stöhnen das Messer fallen liess. Mit der anderen Hand griff der Söldner nach der schwarzen Kapuze und riss sie herunter.


    Der Eldar starrte den Mann mit wütend blitzenden, dunkelblauen Augen an. Sein längliches, blasses Gesicht zeigte Stolz und Verachtung. Auf der linken Wange zeichnete sich eine halbmondförmige Narbe ab. Sein langes, dunkles Haar hatte er zu einem offenen Zopf am Hinterkopf gebunden.


    »Das ist der, den der Chef haben will«, stellte der Anführer fest.


    Die beiden anderen Söldner traten heran, um den Weltenwanderer zu ergreifen und in Fesseln zu legen. Doch wenige Schritte bevor sie ihn erreicht hatten, brach der Grössere mit einem schrillen Schrei zusammen. Ehe seine Kumpane reagieren konnten, sprang der zweite Xenos aus dem Schatten hervor. Von der gebogenen, einschneidigen Klinge seines Kurzschwertes rann dunkles Blut. Schulterlange blonde Haare umwirbelten sein Gesicht, als er in unnatürlich geschmeidiger Bewegung den zweiten Söldner attackierte. Der erwies sich als geschickter als seine Kameraden, wich dem ersten Schlag aus und parierte den zweiten mit einem grossen Kampfmesser, dessen Klinge mindestens doppelt so breit wie die des Eldar war.


    Der Anführer indes war von dem plötzlichen Angriff überrascht, nur einen Augenblick. Der jedoch genügte seinem Gefangenen, um sich loszureissen und nach seinem am Boden liegendem Messer zu greifen. Der Weltenwanderer sprang auf Abstand, wirbelte herum und stiess dem zweiten Söldner, der vollauf damit beschäftigt war, sich gegen die Schwertschläge seines Gefährten zu verteidigen, die Klinge in den Rücken. Zu seinem eigenen Unglück trug dieser Mensch keine Schutzkleidung. Vor Schreck und Schmerz liess der beide Arme fallen. Die nun offene Deckung nutzend, zog der blonde Eldar ihm in einem blitzschnellen Streich das Kurzschwert über die Kehle.


    Während der hagere Mann gurgelnd und zu Boden ging und sein Blut sich auf dem schmutzigen Pflaster ausbreitete, wandten sich die beiden Aeldari dem Anführer zu. Verdutzt sah der Chem-Pan-Sey erst auf seine geschlagenen Kameraden, dann die beiden Weltenwanderer aus seinen Schweinsäuglein an. Der Blonde liess sein Schwert in der Hand kreisen und nahm wieder eine Angriffsposition


    Dann tauchten, alarmiert durch die Schreie, drei weitere Söldner auf, ein jeder ähnlich kräftig wie ihr Anführer und mit einem Kampfmesser bewaffnet. Mit dem kurzen, geschulten Blick eines Rächers Asuryans erfasste Margil die Lage.


    »Firondhir! Amuisar![2]« rief er seinem Gefährten zu. Der dunkelhharige Weltenwanderer zögerte einen Moment und warf dem anderen einen Blick zu, verbunden mit einem kaum wahrnehmbaren Kopfschütteln, als würde er seiner Anweisung widersprechen. Doch der Blonde vollführte eine bestimmende Handbewegung, die keinen Widerspruch duldete. Firondhir gab nach und nutzte den Ausweg, den sein Freund ihm verschafft hatte. Er sprang über die in ihrem Blut liegenden Körper der Söldner hinweg und tauchte in den Schatten ein.


    Margil blieb keine Zeit mehr zum Rückzug. Mit einem schrillen Kampfschrei gleich einer Todesfee sprang er dem ersten Neuankömmling entgegen und streckte ihn mit dem Vorteil der Geschwindigkeit und Überraschung nieder. Ohne seine fliessenden Bewegungen zu unterbrechen, wandte er sich dem nächsten zu. Der, besser auf den Angriff vorbereitet, parierte den ersten Schlag, doch nicht den zweiten. Die Ritualklinge fuhr tief in seinen Unterleib.


    Doch dann fielen der dritte Söldner und der Anführer über ihn her. Der schieren Brutalität der beiden verbliebenen Chem-Pan-Sey war der blonde Weltenwanderer trotz all seiner Gewandtheit nicht gewachsen. Ein Schlag gegen den Kopf liess ihm für einen Moment beinahe die Sinne schwinden. Als der schwarze Nebel vor seinen Augen sich wieder lichtete, fand er sich mit auf dem Rücken gefesselten Händen wieder. Die beiden Menschen standen mit gezogenen Pistolen an seiner Seite und hielten ihn mit den freien Händen an den Armen fest.


    »Was jetzt, Sir? Wir brauchen doch den andren«, wollte der Söldner wissen.


    »Der kann nich weit sein«, antwortete der Anführer. »Ist doch so, oder Spitzohr?« grinste er seinen Gefangenen an. Doch der blonde Eldar stand ungerührt und mit geschlossenen Augen reglos da. Wütend verzog der Mann sein Gesicht. Wie der Alien in dieser Lage so ruhig bleiben konnte, ging über seinen Verstand. Die Arroganz des Xenos widerte ihn an. Er trat vor den Weltenwanderer, holte aus und verpasste ihm einen Schlag ins Gesicht, der ihn zu Boden gestreckt hätte, hätte der andere ihn nicht festgehalten. Der Eldar sah ihn finster an, während seine Wange sich rot färbte und ein Blutfaden von seiner aufgesprungenen Lippe herunterlief.


    »Hör zu, Xenos-Abschaum!« bellte der Anführer geradeheraus in die Gasse. »Dein Kumpel interessiert uns nicht. Komm raus und wir lassen ihn laufen.«


    Einige Moment angespannter Ruhe traten ein, in der selbst der entfernte Lärm der belebten Strassen jenseits der engen Häuserschluchten zu verstummen schienen. Die Söldner starrten erwartungsvoll in die Schatten, die sich nur wenige Schritte die Gasse hinauf immer weiter zu verdichten schien. Dann brach ein helles, sarkastisches Lachen die Stille. Die beiden Menschen sahen überrascht ihren Gefangenen an.


    »Was erwartest du, Chem-Pan-Sey?« fragte der Eldar. Er sprach ihre Sprache mit einem seltsam schwebenden Tonfall und einer Verächtlichkeit, die sie weniger heraushörten, als unmittelbar spüren konnten. »Wir sind IstuKarun, Schüler des Kurnous. Schon jetzt hat er sein Jagdgewehr auf dich gerichtet. Du lebst nur noch, weil er es dir gestattet.«


    Sein Untergebener sah sich verunsichert um, doch der Anführer quittierte die Ansprache des Xenos seinerseits nur mit rauem Gelächter. Dann riss er in einer plötzlichen Bewegung seine Boltpistole hoch und hielt sie dem Eldar ins Gesicht.


    »Kann sein«, sagte der Mann, »aber wie schnell kann er zum nächsten Schuss ansetzen. Sobald einer von uns umfällt, pustet der anderen dir deine schönen, blonden Locken weg.«


    Margil schwieg. Er musste sich eingestehen, dass die Worte des Menschen sich nicht von der Hand weisen liessen. Selbst wenn Firondhir noch in der Nähe war – und daran hatte er nicht den geringsten Zweifel – so konnte er doch nichts ausrichten.


    »Was jetzt, Sarge?« fragte der Söldner. Der Anführer zuckte die Schultern. »Wir nehmen den hier mit. Entweder sein Freund überlegts sich noch. Oder der Chef kann zusehen, was er mit dem hier anfängt. Sollte sich trotzdem gut an die anderen Spitzohren verkaufen lassen. Abmarsch.«


    Er zog dem Weltenwanderer wieder die Kapuze über den Kopf. Dann hob er dessen Kurzschwert auf, betrachtete einige Augenblicket die glänzende Klinge von allen Seiten und steckte es sich in den Gürtel. Ihren Gefangenen vor sich her stossend, verschwanden die Menschen in der Dämmerung der Häuserschluchten.




    Firondhir tauchte in den Schatten zwischen den Hauswänden ein. Doch er lief nur bis um die nächste Ecke. Sich versichernd, dass niemand ihm folgte, erklomm er die erstmögliche Fassade und eilte über die Dächer und Simse zum Schauplatz des Kampfes zurück. Auf einem Erker über der Gasse liess er sich auf die Knie fallen. Mit geübten, flinken Handgriffen machte er sein Gewehr in wenigen Augenblicken schussbereit. Sein Blick senkte sich durch das Zielfernrohr.


    Das Bild, dass sich ihm bot, versetzte den Weltenwanderer in Wut und Schrecken. Margil blutete aus einer Wunde an der Lippe. Der Anführer der Chem-Pan-Sey hielt seine klobige Feuerwaffe direkt auf sein Gesicht. Firondhirs Finger legte sich auf den Abzug, den Kopf des Mannes genau im Visier. Doch im nächsten Moment wurde er gewahr, wie der andere Mensch ebenfalls auf Margil anlegte. Reflexartig öffnete der Weltenwanderer die Hand. Wenn er jetzt einen der beiden erschoss, würde der andere im selben Moment das gleich mit Margil tun. Firondhir war sich seines Könnens als Scharfschütze sehr bewusst, doch so schnell ein neues Ziel anzuvisieren überstieg selbst seine Fähigkeiten. Er atmete tief durch, um seinen Zorn zu zügeln und sich nicht zu einer Dummheit verleiten zu lassen. Eine Pattsituation. Er konnte nichts tun.


    Dann zog der Anführer der Söldner Margil seine Kapuze über den Kopf und stiess seinen Gefangenen vor sich her in Richtung der Strasse – nicht ohne zuvor das Kurzschwert des EsikCaman[3] an sich zu nehmen. Diese Anmassung versetze Firondhir in zusätzliche Wut. Der zweite Mensch ergriff Margils gefesselte Arme und positionierte sich dicht hinter ihm, die Boltpistole verborgen auf den Rücken des Aeldari gerichtet. So setzten sie sich in Bewegung.


    Firondhir packte eilig sein Gewehr zusammen. Er hatte keine andere Möglichkeit, als den Söldnern zu folgen, sie nicht aus den Augen zu verlieren, herauszufinden, wo immer sie Margil hinbrachten, und zu hoffen, dass sich unterwegs irgendeine Gelegenheit ergeben würde, ihn aus der Gewalt der Chem-Pan-Sey zu befreien.




    Wenige hundert Schritte weiter mündete die Gasse in eine der belebten Strassen des Hafenbezirks. Menschen jeder Art, darunter etliche Abhumane und allerlei zwielichtige Gestalten, drängten sich unterhalb der hoch aufragenden, grauen Fassaden den Gehsteig entlang oder lungerten in kleinen Gruppen vor den Eingängen der Ladenlokale. Die beiden Söldner wählten ihre Wege gezielt an solchen Menschenansammlungen vorbei. Die meisten Passanten um sie her waren zu sehr mit ihren eigenen Geschäften befasst, oft mit solchen, denen allzu grosse Aufmerksamkeit Unbeteiligter nicht zugutekam. Entsprechend kümmerten sie sich selbst wenig um das, was um sie herum geschah, solange es sie nicht tangierte.


    Die hochgewachsene Gestalt in schwarzem Mantel und Kapuze fiel in dem Gedränge kaum auf oder wurde bewusst missachtet. Erst recht, wenn ein zufälliger Beobachter ihre finster dreinblickenden Begleiter bemerkte. Der Anblick der beiden bulligen, militärisch gekleideten Männer genügte jedem, den Kopf abzuwenden und seines Weges zu gehen. Und noch eines war sich der Anführer der Söldner völlig bewusst und zog daraus Sicherheit: Inmitten der Menschenmassen würde der Xeno einen Teufel tun und Aufsehen auf sich ziehen wollen. Ihm blieb gar keine Wahl, als mit ihnen zu gehen. Und wenn sein Kumpan ihnen irgendwo heimlich folgte, umso besser.




    Etliche Stockwerke oberhalb der Strasse hechtet Firondhir über Vordächer, Balkone und Simse. Einmal mehr musste er dankbar sein für die kuriose, verschnörkelte Bauweise, mir der die Cresistauead[4] selbst die einfachsten, unwichtigsten Gebäude zu verzieren pflegten. Sie boten mehr Halt und Aufstiege, als selbst eine natürlich gewachsene Felswand ihm erlauben würde. Rasch gelang es dem Weltenwanderer, die Spur der Entführer wieder aufzunehmen und ihnen ungesehen zu folgen.


    Und selbst wenn einer der Söldner oder irgendein anderer Mensch unten in der Strasse zufällig zu ihm hinaufblickte, kam ihm eine weitere Eigenart der Häuser zugute. An allen sinnigen oder unsinnigen Stellen lehnten Statue in Fensternischen oder kauerten Wasserspeier auf Simsen. Verharrte er zischen diesem Zierrat, war er für die tumbe Wahrnehmung der Chem-Pan-Sey am Boden unsichtbar.


    Ein ums andere Mal hatte er von dieser Möglichkeit Gebrauch machen müssen. Wann immer die Söldner mit ihrem Gefangenen an einer Kreuzung oder Biegung die Richtung wechselten, sahen sie sich zuvor versichernd um. Firondhir war sich nicht sicher, ob sie es vermeiden wollten, dass er ihnen folgte, oder ob sie nicht sogar darauf warteten. Er hatte die Worte des Anführers nicht vergessen: Er selbst war das Ziel dieses Überfalls gewesen. Und die Art, wie der Mann sein Aussehen beschrieben hatte, liess keinen Zweifel darüber, zu welchem Zweck. Der Gedanke liess den Weltenwanderer erschauern, auch wenn er nicht glauben konnte, dass ein Prinz der Drukhari selbst solche Chem-Pan-Sey beauftragen würde.


    Wie es sich auch verhielt, er konnte Margil nicht diesen Wilden überlassen. Doch sie erwiesen sich als schlauer, als Firondhir gehofft hatte. Welchen Weg die Söldner auch einschlugen, stets bewegten sie sich in Bereichen, in denen reger Verkehr herrschte. Die Seitengassen mieden sie ebenso wie - auch dies fiel ihm auf - solche Wege, die sie allzu nah an den Ordnungshütern dieses Bezirks vorbeiführte. Zwei bis drei Stunden war er ihnen nun bereits gefolgt und noch hatte sich keine Gelegenheit geboten, die Entführer zu stellen.




    Nach einer weiteren halben Stunde erreichten die Söldner mit ihrem Gefangenen die breite Promenade vor den Landeplattformen der Transportfähren, die Fracht und Passagiere zu den grossen Schiffen im Orbit brachten, weder von etwaigen Verfolgern noch von irgendwelchen offiziellen Kräften behelligt.


    Hier konnte Firondhir nicht mehr weiter, ohne seine Deckung zu verlassen. Auf einem Vorsprung hockend, überblickte er die Strasse. Schmucklose, graue Plaststahlmauern mit massiven Eisentoren schirmten die erhöhten, achteckigen Landeplattformen auf der gegenüberliegenden Seite von den Fußwegen ab. Dennoch drangen das Heulen und Dröhnen der Triebwerke startender und landender Fähren bis zu ihm herüber. Unten musste der Lärm mörderisch sein, zumindest für die feineren Sinne eines Aeldari.


    Gleichwohl auch hier eine grosse Zahl an Menschen unterwegs war, würde es unmöglich sein, sich den Chem-Pan-Sey unentdeckt zu nähern, zumal wenn sie auch noch mit ihm rechneten. Und was konnte er schon tun? Einen offenen Kampf würde keiner von ihnen riskieren wollen. Er selbst wäre hoffnungslos unterlegen. Und Aufmerksamkeit war im Sinne keines der Beteiligten. Schliesslich war es das Ziel der Söldner, ihren Gefangen von hier fortzubringen, nicht, ihn den Behörden des Imperiums zu überlassen, die eine solche Aktion zweifellos auf den Plan rufen würde. Margil jetzt noch freizubekommen, war nur auf eine Art zu erreichen: er musste sich den Chem-Pan-Sey so unauffällig wie möglich nähern und sich ihnen selbst anbieten.




    Die Söldner hielten auf einen etwas abgelegenen Landeplatz zu. Eine Fähre wartete bereits, die Lichtsignale der Plattform und des Zugangsportals zeigten Startbereitschaft an. Die Männer führten ihren Gefangenen zu der Schleuse. Der Anführer wechselte ein paar Worte und ein paar Einheiten der ortsüblichen Währung mit dem Beamten, der den Zugang kontrollierte – beziehungsweise es angesichts der Mischung aus Drohung und Grosszügigkeit unterliess.


    Dann wandte der Söldner sich wieder dem Weltenwanderer zu, den sein Untergebener nach wie vor festhielt und die Pistole in den Rücken drückte.


    »Sieht so aus, als würden dein Freund dich deinem Schicksal überlassen, Xenos«, höhnte der Mann. »Letzte Chance!« brüllte er, halb mit sarkastischem Unterton, auf die Promenade hinaus. Doch nichts regte sich, ausser einiger verwunderter Passanten, die kurz aufsahen, sich dann aber sofort wieder ihren eigenen Angelegenheiten widmeten.


    »Ich sagte es ja«, wandte der Anführer sich an seinen Kameraden, »nichts als Abschaum, diese Xenos. Nicht einmal ihrer eigenen Art gegenüber loyal.«


    Margil unterdrückte seinen Zorn und seine Verachtung. Er war sich vollkommen sicher, dass Firondhir nicht weit war. Aber er konnte auch sehen, dass sein Freund an dieser Stelle nahezu keine Möglichkeit hatte, einzugreifen. Allmählich beschlich ihn nun doch Besorgnis, wie er dieser misslichen Lage entkommen würde. Nichtsdestotrotz, die Genugtuung einer Antwort wollte er dem Chem-Pan-Sey nicht gegen. Der wiederum hatte nicht vor, auf eine Antwort zu warten und zuckte nur gleichgültig mit den Schultern. »Dann halt eben das Maul«, sagte er. »Der Chef hat seine Mittel, du redest früh genug.«




    Nachdem er die nächstgelegene Fassade hinuntergeklettert war, nutzte Firondhir jede noch so geringe Deckung, die die weite Promenade ihm bot: Stapel von Frachtcontainern, umherstehende Transportfahrzeuge, Treibstofftanks. Bis auf wenige Dutzend Schritte gelang es ihm, sich ungesehen seinem Ziel zu nähern. Er hätte sogar freies Schussfeld gehabt, wäre es in dieser Situation nur irgendwie von Nutzen gewesen. Doch nun verharrte er im Schatten unterhalb des Gerüsts eines riesigen Verladekrans und konnte doch nichts weiter tun, als hilflos der Szene zuzuschauen.


    Noch hatte er seine letzte Idee nicht gänzlich verworfen. Und wenn dies die einzige Möglichkeit war…


    Der Aufruf des Söldnerführers schallte zu Firondhir hinüber. Doch noch eher auch nur mit einem Gedanken darauf reagieren konnte, drang ein vertrautes Bewusstsein in seinen Geist ein und liess ihn aufmerken. Margil stand immer noch eingekeilt zwischen den beiden Chem-Pan-Sey, ihm den Rücken zugewandt. Ahnte er Firondhirs Anwesenheit? Und konnte er dann seine Absicht erraten? Immerhin, nach etlichen Reisen, die sie gemeinsam unternommen hatte, kannte der blonde Weltenwanderer ihn gut genug. Die Botschaft, die Firondhirs Geist erreicht, wenngleich völlig ohne Worte, war jedenfalls eindeutig: Eath[5]!


    Voller Zorn über die Chem-Pan-Sey, aber auch voller Zorn darüber, zur Untätigkeit verdammt zu sein, sah der Weltenwanderer zu, wie sein Freund durch die Schleuse geführt wurde. Die drei Gestalten erklommen die Landeplattform und betraten die wartende Fähre. Die seitliche Zugangsluke schloss sich zischend. Dann heulten die Maschinen auf. Das klobige, graue Schiff löste sich, einem schwerfälligen Wasservogel gleich, vom Boden, gewann schwebend langsam an Höhe, richtete sich gegen den Himmel aus und nahm schliesslich Fahrt auf. Wenige Augenblick später war es nur noch ein schwarzer Punkt vor dem trüben Himmel zwischen den Wohntürmen der angrenzenden Bezirke.


    Firondhir verharrte noch eine ganze Weile reglos und in finsteren Selbstvorwürfen versunken in seinem Versteck. Gezwungen zu sein, seinen Freund einem ungewissen Schicksal zu überlassen, verbitterte ihn zutiefst. Seine Finger spielten mit der kastanienbraunen, in eine türkise Kristallperle gefassten Haarlocke an seinem Gürtel. Sein Geist beruhigte und klärte sich. Er atmete tief ein und aus. Nun war es an ihm, etwas zu unternehmen. Aber dafür würde er Hilfe benötigen.


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    [1] Mier=Silber; Men=Hand


    [2] Am = Imperativ-Präfix; uisar = (sich) zurückziehen


    [3] Esik = schrecklich; caman = rächend: Rächer Asuryans, engl. Dire Avenger


    [4] Cre = klein; sistau = Weissheit; eadar = Lebewesen: Mensch


    [5] Eath = nein, nicht

  • II


    Das grotesk entstellte Wesen platze wie ein Ballon, als die Granate, die sich tief in den fetten, aufgedunsenen Körper gebohrt hatte, explodierte.


    Hector grinste zufrieden und richtete seinen Granatwerfer auf den nächsten Mutanten, der wie ein wild gewordener Hund auf ihn losrannte. Das kaum hörbare Klicken des Abzugs besiegelte dann auch das Schicksal dieses Angreifers. Nur wenige Augenblicke später verzierten seine zerfetzten Überreste die dreckige Nische, aus der er herausgestürmt war. Während Hector nach einem neuen Ziel suchte, blickte er schnell zu Anton, um sich zu versichern, dass der Inquisitor ohne seine direkte Unterstützung klar kam. Wie zu erwarten hatte sein Chef aber alles unter Kontrolle.


    Anton hatte aufgehört zu zählen, wie viele dieser Mutanten sie bereits getötet hatten. Eigentlich kam er nach Herna III, um Gerüchten über einen Xenos-Kult nachzugehen. Wie sich herausstellte, waren diese Gerüchte aber massiv übertrieben und es handelte sich bei dem sogenannten „Kult“ nur um eine Gruppe aufständischer Mutanten, die sich gegen die Imperiale Herrschaft stellten. Das Ganze wäre ein klarer Fall für den Adeptus Arbites oder vielleicht noch den Ordo Haereticus gewesen, doch wusste Anton, wie deren Methoden aussahen. Da er ohnehin vor Ort war, dachte er, er könnte die ganze Sache vernünftig klären – ohne unnötige Gewalt. Er hätte mit seiner Einschätzung nicht weiter daneben liegen können. Sobald er sich als Inquisitor zu erkennen gab, wollte so ziemlich jeder dieser Mutanten seinen tot. Er hatte wahrlich in ein Wespennest gestochen. Nun blieb keine andere Möglichkeit mehr, als sich aus dem Slum heraus zu kämpfen und den Fall wohl oder übel an die Arbitratoren weiterzureichen.


    Mit Schwert und Boltpistole gerüstet, musste er sich ganz auf den Schutz seiner Rüstung verlassen. Sein Schild hatte er nicht dabei, da er nicht damit gerechnet hatte, sich in einem wilden Nahkampf wiederzufinden. Trotzdem stellten die Rebellen auch in grosser Überzahl keine Gefahr dar. Ihre fast schon lächerlich primitiven Waffen – meistens rostige, defekte Werkzeuge und selbstgebaute, einschüssige Flinten – liessen Anton und seine zwei Begleiter unbeeindruckt.


    Während sie sich langsam vorwärtsbewegten, griffen ihre Feinde immer wieder in unkoordinierten, wilden Wellen an. Es war ein leichtes, die Angreifer abzuwehren, da sie im Grunde einfach auf die Gruppe zustürmten.


    Zwei gut gezielte Schüsse aus seiner Boltpistole mähten einen humpelnden Mutanten nieder, dessen viel zu langer, linker Arm auf mindesten auf das Dreifache angeschwollen war. Dann trennte er mit einem eleganten Hieb seines knisternden Energieschwertes den Kopf eines anderen, äusserst widerwertigen Exemplars ab, dass es immerhin bis zu ihm geschafft hatte.


    Neben ihm kämpfte Ashenya mit graziöser Anmut. Anton war sich bewusst, dass es ein Risiko war, sie auf Feldeinsätze mitzunehmen, aber er hatte sie gerne bei sich – und Ashenya schätze es ebenso, von der Gebirgsvagabund runter zu kommen. Der Inquisitor hatte das Alien offiziell als Mutanten registriert. Gerade auf innerhalb den unteren Ebenen einer Makropole fiel sie daher kaum auf, da es in den Slums normalerweise nur so von den entstellten Vettern der Menschen wimmelte. Der Einsatz auf Herna III war eine wunderbare Gelegenheit, wieder einmal an ihrer Seite zu kämpfen.
    Ihr schlanker, muskulöser Körper hatte eine unglaubliche Beweglichkeit. Der tödliche Tanz des reptiloiden Aliens erinnerte Anton jedes Mal wieder an die Banshee-Kriegerinnen der Eldar, deren Kampftechniken eine gewisse Ähnlichkeit hatten. Ashenya trug die traditionelle Waffe ihres Volkes; ein langer dünner Stab mit einer sichelartigen Klinge, die sowohl als Stich- oder Hiebwaffe verwendet werden konnte. Aus einem unbekannten Metall geschmiedet, war die Klinger rasiermesserscharf und von unglaublicher Festigkeit, so dass sie selbst nach unzähligen Jahren keinerlei Abnutzungsspuren hatte.
    Mit ungemein schnellen Drehungen und abwechselndem vor- und zurück, schien das türkise geschuppte Alien seine Herausforderer förmlich zu filetieren.


    »All dieser Hass...«, erklang Ashenya Stimme in Antons Kopf. »Was hat dein Imperium diesen bemitleidenswerten Kreaturen wohl alles angetan?«


    Anton wusste, das Ashenya die Antwort bereits kannte. Sie waren schon lange genug zusammen unterwegs. Trotzdem hatte sie noch immer Probleme, das Imperium so zu sehen, wie Anton es sah.


    »Das Überleben des Imperiums fordert Opfer«, antwortete Anton telepathisch. »Von den Mutanten fordert es ein ungemein grösseres Opfer… Manchmal ein zu grosses. Es sind bemitleidenswerte Kreaturen, aber wenn sie den Zusammenhalt des Imperiums bedrohen, stehen sie gegen alles, wofür ich kämpfe.«


    »Anton – du hast mich gerettet. Ich bin die letzte meines Volkes. Wenn ich dir helfen kann, dass dein Volk überlebt, so werde ich das tun. Ich kann einfach nicht glauben, dass es keinen anderen Weg gibt, dies zu erreichen...«


    Anton zögerte einen Moment, seiner Gefährtin zu antworten, da bereits eine neue Welle von Gegnern auf sie zustürmte. Ashenya konnte sich Problemlos mit ihm Unterhalten und gleichzeitig mit höchster Konzentration kämpfen, Anton dagegen liess sich von solchen telepathischen Gesprächen schnell Ablenken.


    Mit Bolterfeuer und tödlichen Schwertstreichen fällte der Inquisitor weitere vier Mutanten.


    »Ashenya, du weisst, dass ich versucht habe, einen anderen Weg zu finden. Du hast wohl vergessen, dass die uns zuerst angegriffen haben?«


    Ashenya grinste. Oder zumindest übermittelte sie eine Emotion, die Anton so interpretierte. Sich anhand ihrer psionischen Fähigkeiten zu verständigen, unterschied sich deutlich von einem normalen Gespräch im Realraum. Bei der Telepathie gab es keine Körpersprache, die man hätte lesen können. Genau so gab es weder Stimmlage noch Aussprache. Ashenya formte im Grunde genommen ihre Gedanken als Warpenergie und „beschoss“ damit Anton. Mit entsprechender Übung konnte er diese Gedanken aus den unwirklichen Strömen des Warp herausfiltern, worauf sein Geist diese für den menschlichen Verstand fassbar machte.


    Gerade zu Beginn ihrer gemeinsamen Zeit kam es immer wieder zu Missverständnissen oder Unklarheiten. Inzwischen konnten sich beide jedoch so flüssig miteinander Verständigen, als würden sie normal miteinander sprechen.


    »Ich weiss, dass du anders bist, Anton«, lachte Ashenya, nachdem der Inquisitor einen Moment stumm geblieben war. »Ich verstehe einfach nicht, wie die Menschen – dich natürlich ausgeschlossen – die Mutanten so verabscheuen können, gehören sie doch zur selben Spezies. Andererseits verstehe ich ebenso wenig, wieso diese Mutanten versuchen, das Imperium zum Fall zu bringen, ist es doch ihr einziger Schutz gegen die Teufel des Warp.«


    Anton musste sich eingestehen, in dieser Hinsicht etwas Ratlos zu sein.


    »Wenn ich darauf eine Antwort wüsste, wäre ich wohl wissender als der Imperator selbst…«


    »Für mich bist du auf jeden Fall wissend genug«, beruhige Ashenya mit sanfter Stimme. »Lass uns hier so schnell wie möglich rauskommen.«


    Die Dreiergruppe rückte weiter durch das Slumgebiet vor. Es war ein riesiges Labyrinth aus primitiven Hütten aus Blech und Müll. Gigantische Rohre und Leitungen durchzogen die stinkende Unterwelt der Makropole, während hier und da überdimensionale Aufzüge zu den verseuchten Industrieanlagen der weiter oben liegenden Ebenen führten. Die Luft war schwer und ungesund. Als Lichtquelle dienten Wärmestrahler, die vor Ewigkeiten gebaut wurden, um als Ersatz-Sonne zu dienen. Eine dicke, eingebrannte Schicht aus Staub, Giftstoffen und Öl dämpfte die Lichtkörper, so dass der ganze Slum in trübem Orange erschien. Die Stimmung war trostlos und deprimierend.


    Die Angriffe der Mutanten hatten an Intensität verloren. Anton wusste nicht, ob ihre Kräfte langsam erschöpft waren, oder ob sie sich lediglich sammelten, um mit voller Stärke einen entscheidenden Kampf zu suchen.


    Ihr Ziel lag noch eine gute Stunde entfernt, dennoch hatte Anton darauf bestanden, nur langsam vorzurücken. Er wollte unbedingt verhindern, in einen Hinterhalt zu geraten. Seine Mission war im Grunde sowieso hinfällig geworden, also standen sie nicht wirklich unter Zeitdruck.


    Hector sicherte die Gruppe nach hinten ab, während Anton die linke und Ashenya die rechte Flanke in den Augen behielten.


    Plötzlich nahm Anton vor ihnen eine Veränderung im Warp wahr. Irgendetwas war wenige Schritte vor ihnen durch die Schatten eines grossen aufgebrochenen Treibstofftanks gehuscht. Etwas, dessen Warpsignatur sich deutlich von der eines normalen Menschen unterschied.


    »Ashenya, hast du das auch gespürt?«, fragte Anton seine Gefährtin, ohne seine telepathischen Fähigkeiten zu nützen. Der Schatten gehörte ohne jeden Zweifel einem psionisch begabten Wesen – und Anton wollte es nicht zusätzlich auf sich Aufmerksam machen. Ausserdem sollte Hector auch wissen, dass etwas oder jemand um sie herum schlicht.


    Ashenya nickte stumm. Sie mochte die Sprache der Menschen nicht und versuchte wann immer möglich, sich auf andere Weise zu verständigen.


    »Sollen sie nur kommen…«, murmelte Hector von hinten, ohne sich direkt an Ashenya oder Anton zu wenden. Der Soldat war angespannt, aber keineswegs Nervös. Seit dem Vorfall auf Ysraal VI diente er Anton als Mann fürs Grobe, wobei er in unzähligen Einsätzen gelernt hatte, dass die Feinde des Imperiums überall lauern konnten. Er rechnete grundsätzlich immer mit einem Kampf – selbst in den ruhigeren Tagen, wenn er sich nicht direkt im Dienst befand. Alle paar Schritte schlug er mit dem Abzugsfinger leicht gegen das schwere Trommelmagazin seines Granatwerfers. Am Klang konnte er abschätzen, wie viele Granaten noch übrig waren, ehe er Nachladen musste. Mit der Zeit hatte er sich diese Eigenheit angewöhnt, um nicht im entscheidenden Moment ohne Munition dazustehen. Seit er auf Ysraal gesehen hatte, wie nutzlos Lasergewehre gegen die dort erwachten Xenos-Krieger waren, verzichtete er darauf, eines mitzunehmen. Mit einem grossen Vorrat Sprenggranaten fühlte er sich viel nützlicher – und sicherer.


    Anton gab ihm ein Handzeichen, näher zu kommen. Er folgte sofort dem Befehl und schloss zu den beiden anderen auf.


    »Hector«, flüsterte Anton. »Ich habe eine psionische Anomalie gespürt. Vielleicht ein unsanktionierter Psioniker.«


    »Verdammt!«, fluchte Hector. Unsanktionierte Psioniker – also solche die keinerlei Ausbildung genossen hatten und nicht unter Kontrolle der imperialen Administration standen – waren sich im besten Fall nicht einmal ihrer Fähigkeiten Bewusst. Im schlimmsten Fall waren es Hexenmeister, die mit den Dämonen des Warp paktierten. In den ausufernden Slums der Makropolenstädte war es für das Imperium kaum möglich, die Gesetzte des Imperators durchzusetzen, weswegen unsanktionierte Psioniker doch vergleichsweise häufig vorkamen. Trotzdem ging von jedem einzelnem eine riesige Gefahr aus. Anderen Inquisitoren wäre die Situation alleine Grund genug, die ganze Makropole zu Läutern. Anton war aber anders. Der Schutz des Imperiums hatte für ihn Vorrang. Seiner Meinung nach, umfasste das aber ebenso die Bürger des Imperiums, weswegen er Massaker jeder Art zu verhindern versuchte.
    Ashenya hob den Kopf an und konzentrierte sich einen Moment. Dann zeigte sie auf eine dunkle Gasse, die unter eine grosse Hütte aus Metallschrott führte. Wohl in ein unterirdisches Gangsystem.


    »Er ist weg. Ich spüre nichts mehr«, erklang ihre Stimme in Antons Kopf. »Ich rieche ein menschliches Wesen. Aus dieser Gasse.«


    »Dann bleibt uns wohl nichts anderes, als ihm zu folgen«, antwortete Anton telepathisch. Dann richtete er sich an Hector. »Ashenya hat die Fährte einer Person entdeckt. In dieser Gasse. Scheint so, als müssten wir in den Untergrund.«


    »Sind wir denn nicht schon im Untergrund?«, raunte Hector. »Diese Makropolen haben auch immer ein noch tieferes Scheissloch. Kann ich nicht einfach ne Granate reinballern und dann verpissen wir uns?«


    Anton wies Hector mit einem entnervten Blick zurecht. Natürlich wusste der Soldat, dass das keine Option war. Sein Zynismus half ihm jedoch, bei Verstand zu bleiben. Anton fand das zeitweise ermüdend, konnte aber angesichts dessen, was Hector erlebt hatte – und als Agent der Inquisition noch erleben würde – absolutes Verständnis aufbringen.


    »Ich gehe voraus«, befahl Anton mit gedämpfter Stimme. »Die Gasse ist zu schmal, um nebeneinander zu kämpfen. Ashenya folgt mir direkt nach. Hector, du haltest uns den Rücken frei.«


    Beide nickten. Dann schritt Anton dem dunklen Eingang in eine tiefere Ebene der Slums entgegen. Ein beissender Geruch nach Tod und Verwesung lag in der Luft. Das Energieschwert gezogen und bereit für den Kampf, stieg er die metallene Treppe hinab, die in einen etwa fünf Meter tieferen Korridor führte. Es war Stockfinster. Die einzige Lichtquelle war das Energieschwert, das die unterirdische Anlage in gedämpftes Blau tauchte.


    Der Gang führte in ein altes Röhrensystem. Die Rohre waren gerade gross genug, um bequem stehen zu können und breit genug, dass zwei Menschen nebeneinander Platz hatten.


    »Passt auf, dass wir uns nicht verlaufen«, flüsterte Anton zu seinen Gefährten hinter ihm. Er verfügte zwar genauso wie Ashenya eine überausragende Wegfindung, dennoch bot dieses unterirdische Labyrinth mehr als genug Gelegenheiten, sich zu verirren.


    Der Boden war mit Schrott und Müll übersäht. Immer wieder schritten sie an Bündel verdreckter, halb verrottender Tücher vorbei. Anton vermutete, dass es sich um Schlafplätze der Bewohner des Slums handelte. Genauso hätte es sich aber auch um Abfallberge handeln können, die behelfsmässig abgedeckt wurden. Der Gestank, den sie schon beim Eingang wahrgenommen hatte, wurde zunehmend stärker und unerträglicher. Dennoch sagte Ashenya weiter unbeirrt an, in welche Richtung die unbekannte Person geflohen ist. Die reptiloiden Quarr’va hatten den Menschen weit überlegene Sinne, was sich bereits mehrfach als äusserst nützlich erwiesen hatte. Anton hatte deswegen aber auch Mitleid mit Ashenya. Der Gestank musste für sie noch weit schlimmer gewesen sein.


    Nach mehreren Minuten, die sie durch die stinkenden Rohre schritten, erblickten sie ein flackerndes Licht, dass scheinbar aus einem Raum kam, in den das Rohr mündete. Murmeln, schweres Atmen und winselndes Schluchzen zeugten davon, dass sich dort lebende Wesen befanden. Vorsichtig schritten Anton und seine Truppe dem Ende der Röhre entgegen. Dort angekommen, verdeckte ein schmutziges, zerlöchertes Leinentuch den Durchgang in eine grosse Halle. Dahinter bot sich ein unerwartetes und tragisches Bild zugleich. Der Raum, der sicherlich mehrere dutzend Meter lang wie breit war, war mit unzähligen, primitiven Liegen gefüllt. Auf jeder davon lagen offenbar Bewohner des Slums. Teils auf schreckliche, bestialische Art mutiert und kaum mehr Menschlich, zum Teil aber auch deutlich als Mensch erkennbar. Viele davon hatten ihre Körper vollständig mit weiten Tüchern bedeckt – eine gängige Praxis, um besonders widerliche Mutationen zu verstecken.


    Die in der Halle liegenden Mutanten schienen allesamt Verletzt. Nur wenige schienen unversehrt. Einige hatten Verletzungen, die wohl sogar auf Antons eigene Waffen zurückgingen. Trotzdem schien keiner der Mutanten feindselig zu sein.


    »Kommt Ihr, um uns zu töten?«, erklang eine röchelnde Stimme gleich neben Anton. Der Inquisitor zuckte zusammen und drehte sich sofort der Stimme entgegen, bereit, unverzüglich Niederzustrecken, wer sich auch immer erfolgreich angeschlichen hatte. Nachdem er die Person erkannte, die gesprochen hatte, senkte er seine Waffen, blieb aber bereit, zu kämpfen.


    Vor ihm stand ein Mutant von kaum mehr als eins-vierzig Metern Körpergrösse. Der Zwerg hatte ein geschwollenes, mit Pusteln übersätes Gesicht und gelbe, verfaulte Zähne, die weit aus dem Mund hinausragten. Am Rücken hingen dort, wo eigentlich die Schulterblätter sind, zwei zusätzliche Arme leblos hinunter.


    Anton spürte, dass von dieser bemitleidenswerten Kreatur keine Gefahr ausging. Andererseits war ihm sofort klar, dass es sich bei dem Zwerg um den Psioniker handeln musste, den sie verfolgt hatten. Als der Inquisitor in den Warpraum blickte, erkannte er, wie die Seele des Mutanten von gleissendem Licht erfüllt war und wie eine pulsierende Kugel nervös zuckte.


    »Wer bist du? Was ist das für ein Ort?«


    Anton fuhr den Mutanten ungewollt schroff an. Inzwischen waren sowohl Ashenya als auch Hector bei Anton angekommen. Erstere trat neben den Inquisitor, während Letzterer den Granatwerfer in den Anschlag nahm und vorsichtig den Raum nach Gefahren absuchte.


    »Mapheph«, antwortete der Mutant, der verunsichert zu Ashenya aufblickte, sich dann aber schnell wieder Anton zuwandte. »Das ist mein Heim. Pflege Freunde hier. Wieso kommt Ihr hierher? Was sucht Ihr im Twist-Gebiet?«


    Anton liess seinen Blick durch den Raum gleiten. Diese Halle war also eine Art Mutanten-Krankenhaus. Er schämte sich. Er konnte verstehen, dass ein Zusammenleben mit normalen Bürgern des Imperiums schwierig sein konnte und die Mutanten daher zur Sicherheit aller, weitgehend isoliert werden mussten. Aber hier waren sie nicht einfach isoliert, sie waren wortwörtlich Ausgestossen. Hier etwas zu ändern, war jedoch nicht seine Aufgabe. Er hatte wichtigeres zu tun. Er musste das Imperium von den fremden Schrecken der Galaxis schützen.


    »Ich ermittle gegen einen Kult in diesem Slums«, gab Anton knapp zur Antwort. Dass er wegen Maphephs psionischer Begabung gekommen war, wollte er zunächst für sich behalten.


    Mapheph zog eine Grimasse, die sein entstelltes Gesicht noch deformierter aussehen liess.


    »Kult. Pah. Ihr meint die Rebs‘. Böse Twists. Die gehören nicht zu uns!«


    Anton überlegte einen kurzen Moment.


    »Aber du behandelst ihre Verletzen?«, sage er schliesslich, und wie auf einen der Mutanten, dessen Arm ganz offensichtlich von einem Energieschwert abgetrennt wurde.


    »Es sind Twists wie wir alle«, lachte Mapheph, der seine Vorsicht langsam aufzugeben schien. »Wenn ein Twist verletzt ist, helf‘ ich ihm. Auch wenn es n‘ Verbrecher ist. Wir halten zusammen hier. Nicht wie ihr von oben.«


    Anton musste eingestehen, dass ihm diese Sichtweise besser gefiel, als die Egozentrik, die gerade in der imperialen Oberschicht weit verbreitet war.
    »Erzähl mir von diesen… Rebs.«


    Anton wollte das Gespräch in eine angenehmere Richtung lenken. »Rebellen, richtig?«


    Mapheph antwortete ohne zu zögern. Er schien durchaus aufrichtig zu sein.


    »Aye. Rebs‘ eben. Verzweifelte Kriminelle, die denken, es würde irgendetwas ändern, wenn sie nur brutal genug sind. Dabei können sie gar nicht denken. Lehn‘ den heiligen Imperator ab. Sagen es gibt nichts ausserhalb dieser Welt. Stumpf. Dabei ist der Imperator da. Ich sehe ich ja. Sie sehen ihn nicht. Rebs‘ sin‘ Stumpf und dumm.«


    Anton wurde hellhörig.


    »Du siehst den Imperator?«


    »Ja. Sehe sein Licht. Viele Menschen sind unfair. Oder böse. Aber der Imperator beschützt. Wir sind alle seine Kinder, auch wir Twists. Er zeigt mir Dinge, die passieren.«


    »Was für Dinge?«


    »Ich weiss nicht… Bin‘ nur n‘ Twist. Manchmal die Zukunft. Manchmal Sachen, die ich nicht verstehe. Als ich die Schüsse in den Strassen gehört habe, bin ich hinaufgegangen, um Verletzte zu holen. Er hat mir gezeigt, wann die Luft rein is‘.«


    Anton schwieg einen Moment. Dieser Mutant war ein guter Mann. Und ein gläubiger Mann. Dass man unter diesen Lebensumstände noch an das Gute im Imperium glauben konnte, war beachtlich. Trotzdem war Mapheph ein unsanktionierter Psioniker. Anton musste ihn mitnehmen und der Inquisition zu übergeben. Das Risiko, dass dieser Mann dem Chaos verfiel, war äusserst gering – im Moment. Doch was würde passieren, wenn er seinen Glauben ans gute verlieren würde? Im schlimmsten Fall würde er eine Dämoneninvasion verursachen. Das konnte Anton nicht einfach ignorieren.


    »Mapheph, du musst mit mir mitkommen.«


    Schwermut lag in Antons Stimme.


    »Ihr werdet mich töten…«, seufzte Mapheph resigniert.


    Anton wollte keine falschen Versprechungen machen. Als Mutant mit Psikräften war es so gut wie sicher, dass er dem Imperator geopfert werden würde. Er selbst konnte Mapheph auch nicht ausbilden, dazu fehlten ihm das entsprechende Wissen, war er selbst doch nur ein äusserst schwacher Psioniker.


    »Du musst dem Imperator vertrauen«, entgegnete Anton. Auch wenn er nicht besonders Religiös war, war es das einzige hoffnungsvolle, das er sagen konnte. Und das keine Lüge war. »Ich weiss nicht, welchen Weg für dich auserkoren wurde. Aber der Imperator ist unser Herr. Fordert er den Tod, so bleibt nichts anderes übrig, als zu hoffen, dass der Tod dabei hilft, dass das Imperium besteht. Schenkt er das Leben, so tut er es, weil er uns für eine andere Aufgabe braucht.«


    »Ich will nicht weg. Meine Freunde brauchen meine Hilfe.«


    Anton konnte bei einem unsanktionierten Psioniker keine Kompromisse zulassen.


    »Ich will dich nicht zwingen. Aber du musst mitkommen.«


    Mapheph schaute Anton erst genau an. Dann antwortete er langsam, aber entschlossen.


    »Ich sehe, dass Ihr das müsst. Ich sehe, dass ich sterben würde, würde ich mich weigern. Lasst mir wenigstens einen Moment einige Vorkehrungen treffen.«


    Damit konnte Anton sich arrangieren.


    »Einverstanden. Aber bleib im meinem Blickfeld.«


    Mapheph nickte. Unter den wachsamen Auge des Inquisitors und seinem Gefolge, begab sich der Mutant an eine Art Arbeitstisch. Dort kritzelte er einige schnelle Notizen auf einen vergilbten Zettel, ehe er zu einem seiner Patienten lief. Dieser hatte keine äusserlichen Verletzungen, war also keiner der Rebellen. Er schien ein persönlicher Freund Maphephs zu sein. Sie sprachen einige Worte, dann küsste Mapheph ihm auf die Stirn und wandte sich ab. Mit schleppendem Schritt kam er zurück zu Anton.


    »Lasst uns gehen«, sagte er knapp und schritt voraus.


    Still gingen die Vier denselben Weg zurück, auf dem sie gekommen sind. Zurück im trostlosen künstlichen Sonnenlicht der oberen Ebene, schien die Lage sich beruhigt zu haben. Von den Rebellen war nichts zu sehen. Anton prüfte mit suchendem Blick die unübersichtliche Gasse, die vor ihnen lag. Er war schon oft in Makropolen unterwegs. Hier war es einfach zu ruhig.


    »Etwas liegt in der Luft«, sprach er gerade laut genug, dass seine Gefährten ihn hören konnten. »Seid vorsichtig.«


    Es war nicht mehr weit, bis sie den Aufzug erreichen würden, der sie zurück auf die obere Ebene bringen würde. Eine kleine Einheit des Sicherheitsdienstes würde sie in Empfang nehmen und dafür sorgen, dass ihnen keine Rebellen folgen konnten.


    Langsam rückte die Gruppe vor. Anton und Ashenya wieder an der Spitze, Hector als Rückendeckung zuhinterst. Mapheph war dazwischen – unter strenger Beobachtung von Hector, der bereits war, den Psioniker ohne zu zögern zu töten, sollte er versuchen zu fliehen. Dieser schien sich aber kaum um seine Sicherheit zu sorgen und trottete gelassen hinter Anton her.


    Plötzlich und mit einem unpassenden Tonfall, der danach klang, als ob sie sich gerade auf einem Erholungsausflug befanden, wandte er sich an Ashenya.
    »Wie kommt es, dass sie dich da draussen am Leben lassen?«


    Das Alien schaute etwas irritiert zurück und zögerte einen Moment. Ehe sie etwas antworten konnte, zischte Anton den Zwerg an.


    »Sie ist meine Angestellte. Amtlich Registriert. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen!«


    »Anton, sei ihm nicht böse«, hörte er Ashenyas Stimme im Kopf. »Seine Frage war berechtigt.«


    »Würde er deine Begebung spüren und den falschen Leute das falsche darüber Aussagen, könnte das dein Ende sein. Das lasse ich nicht zu«, erwiderte Anton mit seinen psionischen Kräften. »Du bedeutest mir zu viel, um sowas zu riskieren. Ich verstehe diesen Mapheph, aber wir können nicht alle retten.«
    Ashenyas Stimme wurde sanft.


    »Ich weiss doch, Anton. Verglichen mit dem Rest deiner Spezies, bist du ein helles Licht. Doch auch das hellste Licht kann erlöschen, wenn es nicht genährt wird.«


    Anton wusste genau, was Ashenya sagen wollte, auch wenn er der Meinung war, dass ihre Ausdrucksweise etwas pathetisch war. Eigentlich war er sogar froh, dass sie sich darum Sorge, dass er nicht eine kalte Maschine wurde, die ohne jede Menschlichkeit einfach nur ihre Aufgabe erfüllte. Inquisitoren dieser Sorte gab es mehr als genug.


    Trotzdem mochte er es nicht, wenn Ashenya sein Handeln bewertete. Er war sich bewusst, was er tat, und was die Konsequenzen davon waren. Er brauchte niemand, den ihn noch extra darauf hinwies.


    »Ashenya, lass gut sein«, antwortete er telepathisch. »Ich bin hervorragend…«


    Ein lauter Knall zerriss die ruhe, als eine improvisierte Sprengladung unweit vor Anton explodierte. Sofort ging Anton hinter einem Stapel massiver Metallbehälter in Deckung, der sich glücklicherweise gleich zu seiner linken befand. Ashenya sprang zur Seite und suchte im Eingangsbereich einer Blechhütte schütz.


    Ehe Anton die Situation analysieren konnte, antwortete Hector dem Angriff. Mit Todesverachtung versuchte er nicht einmal, Deckung zu suchen, sondern stand mitten auf der offenen Strasse und schoss in kurzer Folge fünf Granaten gegen einen unsichtbaren Feind. Die Sprenggranaten explodierten in etwa zehn bis zwanzig Meter Entfernung auf der Fassade eines heruntergekommenen Wohnblocks, der stark an eine Bauruine erinnerte. Unter der Wucht der Explosionen, stürzte die gesamte Hausfront mit einem ohrenbetäubenden knarren und kreischen zusammen, als die massiven Stahlträger funkensprühend unter dem grossen Gewicht des Oberbaus nachliessen.


    Hector feuerte zwei weitere Granaten ab, ehe er Mapheph am Kragen packe und zu Anton hinter seine Deckung schleifte.


    »Muties im ersten bis vierten Stock. Hab‘ diese Krüppel zu spät gesehen.«, knurrte der hartgesottene Soldat.


    Noch bevor Anton antworten konnte, begann ein schweres Maschinengewehr, sie mit Dauerfeuer einzudecken. Glücklicherweise schienen die Metallbehälter äusserst stabil zu sein.


    »Die haben dazugelernt, was?«, witzelte Hector, der das ganze völlig kalt zu lassen schien.


    »Sieht so aus«, gab Anton knapp zurück.


    »Du musst uns Deckungsfeuer geben. Mit schweren Waffen sind sie uns auf Distanz klar überlegen. Wenn Ashenya und ich es bis zum Gebäude schaffen, sind sie geliefert.«


    Hector nickte bestätigend. Dann legte er ein neues Granatenmagazin bereit, tauchte über der Deckung auf und feuerte das ganze angebrochene Magazin leer. Die ganze Aktion dauerte nur Sekunden, doch Anton hatte hervorragende Reflexe. Sobald Hector zu feuern begann, gab er Ashenya Anweisungen, ihm zu folgen, und stürmte los. Mit grossen Sprüngen rannte er dem Gebäude, in dem sich der Feind verschanzt hatte, entgegen. Ashenya war gleich neben ihm. Die Granatensalve Hectors zeigte Wirkung: Ein tosender Feuerball zwang die Rebellen in Deckung, das schwere Maschinengewehr stellte das Feuer ein.


    Obwohl einige einzelne Schuss an ihnen vorbei zischten, erreichten Anton und Ashenya ihr Ziel unbeschadet. Glücklicherweise hatten die Rebellen keinerlei militärische Ausbildung und waren entsprechend schreckliche Schüsse. Die improvisierten, schlecht gewarteten Waffen, trugen auch nicht besonders dazu bei, ein bewegliches Ziel zu treffen.


    Im inneren des Wohngebäudes herrschte absolute Zerstörung. Die Sicht war durch dicken, schwarzen Rauch erschwert. Unmengen an Tücher, verschiedene Matratzen und eine ganze Auswahl an einfache Holzmöbel standen in Flammen, was die Temperatur auf ein unangenehm hohes Niveau trieb. Anton war dankbar, dass er eine Servorüstung trug – und Ashenya war sowieso widerstandsfähig genug, um mit fast allen Umständen klar zu kommen.


    Sie sahen eine Handvoll Mutanten, von der Explosion zerrissen oder vom nachfolgenden Feuer verbrannt. Hector hatte das Erdgeschoss bereits vollständig gesäubert. Anton suchte nach einem Weg in das nächste Stockwerk und fand an der Rückseite des grossen, offenen Raumes eine einfache Betontreppe, die nach oben führte. Er gab Ashenya zu verstehen, ihm zu folgen.


    Bevor er die Stufen erklomm, blickte er in durch den Warp, um sich ein Bild der Situation zu machen. Über ihm flackerten etwa zwölf Seelen in mattem Grau. Sie waren über die ganze Fläche des Stockwerks verteilt, wussten also noch nicht, dass er jeden Moment zum Angriff übergehen würde.


    Er teilte seine Gedanken kurz Ashenya mit, auch wenn er sich sicher war, dass sie die Lage wohl selbst geprüft hatte. Dann hechtete er die Treppe hinauf, bereit, alle niederzumachen, die sich ihm in den Weg stellten.


    Der erste Stock entsprach in seiner Bauweise dem Erdgeschoss. Das ganze Stockwerk war ein grosser, offener Raum mit einigen wenigen Betonpfeiler, die die nächste Ebene stützen. Schimmlige Tücher hingen an rostigen, an den Wänden befestigten Eisenketten, um als Raumteiler zu fungieren. Der Boden, der aus Blechstücken bestand, die vermeintlich willkürlich über mächtige Stahlträger gelegt worden waren, war mit Müll und Dreck übersäht.


    Die der Gasse zugewandte Aussenwand war fast vollständig zusammengestürzt. Der dünne Beton wurde durch die Wucht der Granatexplosionen förmlich pulverisiert. Einige der Bodenträger hatten sich gelöst und waren mitsamt den abdeckenden Blechplatten in die Gasse abgerutscht. Die massive Zerstörung zeugte davon, wie instabil das Gebäude gewesen war. Anton musste aufpassen, dass es nicht zusammenstürzte, während sie sich im Nahkampf befanden.


    Glücklicherweise war die Treppe einer eigener „Raum“, so dass die Tücher Anton und Ashenya von den Blicken der Mutanten abschirmten. Das Überraschungsmoment würde auf ihrer Seite liegen. Mit einem kurzen Nicken gab er den Befehl zum Angriff. Anton stürmte durch die Leinentücher in den nächsten Raum und visierte sofort den Feind an. Es war ein massiger Mutant mit extrem muskulösem Oberkörper. In seinen Händen hielt er das Schwere Maschinengewehr, das er wohl einfach aus der Hüfte abgefeuert hatte. Als er Anton bemerkte, war es bereits zu spät. Er versuchte noch, das Maschinengewehr als Knüppel verwendend, Anton mit einem brutalen Hieb abzuwehren. Doch während er zum Schlag ausholte, drang die knisternde Klinge von Antons Energieschwert mitten in seine Brust. Das Maschinengewehr fiel ihm vor Schmerz aus der Hand, ehe er dem Inquisitor hätte gefährlich werden können. Mit einem unheimlichen, erstickenden Gurgeln sank er auf die Knie. Anton richtete seine Boltpistole auf den Kopf des Mutanten, der ihn geschockt und verwirrt zugleich anstarrte. Dann drückte er den Abzug. Als das Raketengeschoss ein Ziel traf, explodierte der Schädel des Mutanten. Knochen barsten und ein Gemisch aus Blut und gelblicher Hirnmasse regnete um den Mutanten nieder. Ohne zu zögern sprang Anton weiter, um seinen nächsten Gegner zu fällen.


    Der Nahkampf war schnell und blutig. Nach nicht einmal einer Minute war das Stockwerk gesäubert. Ashenya hatte sich in den letzten Jahren zu einer gefährlichen Nahkämpferin entwickelt und hatte mindestens ebenso vernichtend gewütet, wie Anton.


    Von der Gasse erklangen Schüsse, die alsbald von donnernden Explosionen beantwortet wurden. Hector war unter Beschuss geraten. Anton war sofort klar, dass sie so schnell wie möglich zu ihrem Freund mussten.


    »Ashenya, Hector braucht unserer Hilfe… Los!«, brüllte er und stürzte die Treppe hinunter.


    Im Erdgeschoss hatten sich die Brände weiter ausgebreitet. Es war ohnehin höchste Zeit, das Gebäude zu verlassen. Anton stürmte entschlossen durch das flammende Inferno nach draussen. Er war beruhigt, dass Ashenya gleich hinter ihm war. Er hätte sie auf keinen Fall hier zurücklassen können. Dennoch machte er sich Sorgen um Hector, der wohl alleine einer Übermacht gegenüber stand.


    Aussen auf der Gasse bestätigte sich seine Vermutung. Eine ganze Horde Mutanten rückte durch die Gasse vor, aus der sie ursprünglich gekommen waren. Hector befand sich noch immer hinter den Metallbehälter in Deckung, wenn auch nun auf der gegenüberliegenden Seite. Mapheph lag neben ihm am Boden. Sowohl Ashenya und Anton sprinteten über die Strasse zu der Verteidigungsstellung ihres Gefährten. Schüsse peitschen ihnen entgegen, doch verfehlten sie die ungeübten Mutanten mit ihren grobschlächtigen Waffen. Anton erwiderte das Feuer mit seiner Boltpistole und streckte gleich zwei der Angreifer nieder.


    Als sie bei Hector angekommen waren, fragte Anton sofort nach der Lage.


    »Die Hunde sind zahlreich…«, fluchte Hector. »Sie wollten uns in den Rücken fallen. Dem Imperator sei Dank, hatte ich genügend Granaten mitgenommen.«


    »Bist du verletzt?«, wollte Anton ernsthaft besorgt wissen.


    »Ich? Nein. Ich bin den Muties wohl zu hübsch. Aber unser neuer Freund hat‘s erwischt…«


    Hector zeigte auf Mapheph. Anton kniete sich zum Psioniker nieder. Ein Schuss hatte ihn an der Schulter getroffen und ein grosses Loch aufgerissen. Er konnte seinen Arm nicht mehr bewegen, der nun so leblos wie vom Körper hing, wie das zusätzliche Armpaar am Rücken. Blut lief ihm aus dem Mund.


    »Von… Freunden… getötet…«, keuchte er der Bewusstlosigkeit nahe. Anton wusste, dass er nicht mehr lange zu leben hatte. Er machte sich bereit, ihn mit der Boltpistole von seinem Leid zu erlösen, als seine Warpsignatur plötzlich spürbar stärker wurde.


    »Inquisitor…«


    Mapheph starrte ins Leere, als ob er seine Umgebung nicht mehr wahrnehmen würde.


    »Du wirst brennen… Wenn der Drache fällt… Ein langes Ende… Pein… Nicht… zum… goldenen…«


    Der Mutant konnte seinen Satz nicht mehr fertigsprechen. Anton verstand ohnehin nicht, was die kryptischen letzten Worte hätten bedeuten sollen, doch schien es nicht gerade eine frohe Voraussage zu handeln. Hatte der Schmerz Mapheph die Sinne vernebelt, oder war es eine Eingebung des Imperators? Oder hatten zuletzt doch noch die Dämonen seinen Geist korrumpiert?


    Anton war fürs erste Ratlos, wollte dem aber später nachgehen. Nun mussten sie aber zuerst aus diesem Slum verschwinden.


    Bevor er etwas sagen konnte, liess ein lautes Brummen die drei Gefährten aufhorchen. Aus Richtung ihres Ziels rollte eine Panzerkolonne die schmale Gasse hinunter. Wo der Durchgang zu klein war, hielten die Panzer ihren Kurs und rissen einfach die Fassaden der sowieso Baufälligen Gebäude ein. Anton erkannte das Symbol des Adeptus Arbites, das die Front der bewaffneten Truppentransporter zierte. Eine Ironie – er wollte die Probleme der Mutanten gewaltlos lösen, hatte dadurch aber solch schwere Kämpfe ausgelöst, dass der Adeptus Arbites sich offenbar zum Handeln gezwungen sah. Sie waren zwar gerettet, doch würde der ganze Slum nun das gnadenlose Gericht der imperialen Justiz zu spüren bekommen. Ob Rebell oder nicht, würde keine Rolle spielen, wenn die Arbitratoren mit ihrer Säuberung beginnen würden.