Kommentare zu "Der blasse Adler"

  • Moin,

    ich habe mir für 2026 vorgenommen mit dem Schreiben anzufangen und mich an einer Kurzgeschichte versucht. Rausgekommen ist "Der blasse Adler". Wie gesagt das das ist mein erster Versuch als "Autor", gerade deswegen würde ich mich über Feedback, Anregungen und Kritik sehr freuen.

    Mfg
    Sascha

    • Offizieller Beitrag

    Wie fang ich an, mit Anmerkungen auf verschiedenen Ebenen? Ich weiß nicht so recht, wie ich den Text für mich einordnen soll.

    Zunächst zeigt sich ein recht klarer Stil, vor allem was den Satzbau betrifft. Sehr häufig sehr kurze Sätze, manchmal auch nur einzelne Wörter. Ich spiele im Moment öfter mit einer Character-Chat-KI rum, die reproduziert dieses Stilelement auch realtiv häufig. Da die aber nur das wiedergeben kann, was sie irgendwo finden, ist das aktuell vielleicht ein gängiges Stilmittel. Es transportiert Effizienz, was zu der Brückensituation sicherlich passt, aber auch spontane, flüchtige Eindrücke. Gegen Ende wirkt das aber eher verwirrend, mir war nicht ganz klar, was da passiert und warum und um was es geht. Es wird allerdings deutlich, dass die Charakteres es wissen. Und das ist ein Missverhältnis. Wenn man als Leser den Charakteren nicht mehr folgen kann, verliert man den Zugang zur Geschichte.

    Ein bisschen mehr Atmosphäre täte auch gut. Das 40K-Universum ist riesig und nicht jeder Leser hat schon eine Vorstellung davon, wie es auf der Brücke eines Ordenschiffes aussieht. Auch in der Hinsicht müsste so ein Text mehr abholen.

    Vielleicht liegt das aber auch an einer anderen Sache: der Text ist keine Kurzgeschichte - jedenfalls nicht im gattungstypischem Sinn. Ich weiß nicht, ober eine in diesem Sinne sein sollte, oder ob damit "nur" gemeint ist, dass es eine kurze Geschichte sein soll.

    Für eine echte Kurzgeschichte wäre die Knappheit an Beschreibungen typisch. Elemente des Raumes werden in der Regel nur genauer beschrieben, wenn sie die Innere Handlung unterstützen oder reflektieren. Innere Handlung gibt es hier aber nicht. Dabei ist die in einer Kurzgeschichte das tragende. In einer Kurzgeschichte passiert nicht viel, manchmal sogar garnichts. Hier passiert einiges. Kurzgeschichten haben wenige Protagonisten, manchmal sogar nur einen. Sie spielen sich in außerst kurzen Zeitspannen ab, in denen aber gleichzeitg für den Protagonisten etwas persönlich bedeutsames passiert.

    Spoiler anzeigen

    fasse ich einmal eine gradezu protoypische Kurzgeschichte zusammen, die mir letztens in einem Weihnachtsbuch in die Hände gefallen ist und von der ich mir gedacht habe: was hat die da zu suchen, das kannst du doch Kindern nicht vorlesen, das kapieren die nicht, bzw. finden es langweilig.

    Ein Mann trifft am Tag vor Heiligabend auf dem Heimweg von der Arbeit am Bahnhof einen alten Mann - den er jeden Tag da trifft und mit dem er sich kurz unterhält. Der Mann sinniert darüber, was er über den Älteren weiß - Witwer, alleinstehend, jeden Tag am Bahnhof, vermutlich einsam. Dann reflektiert und vergleicht er seine eigenen Familienverhältnisse - Frau, drei Kinder - denkt darüber nach, wie es Weihnachten sein wird - alles ganz unspektakulär. Am Ende stellt er sich die Frage, ob er nach dem Feiertagen dem alten Mann ein kleines Geschenk mitbringen soll, oder ob der das vielleicht garnicht will.

    Wohl gemerkt, der alte Mann macht in der Geschichte überhaupt nichts, er ist einfach nur da, Gegenstand der Überlegungen des Protagonisten. (Ob das noch eine eigene Bedeutung hat, darüber könnte man noch interpretieren). Es gibt paraktisch keine Äußere Handlung. Das ganze spielt sich in vielleicht fünf Minuten an diesem Bahnhof ab und es passiert buchstäblich garnichts. Was aus den Überlegungen des Mannes wird, bleibt völlig offen.

    Warum halte ich mich so sehr an dem Begriff Kurzgeschichte auf? Naja, ich hab ein ambivalentes Verhältnis zu dem Genre. Das liegt daran, weil in der Schule Kurzgeschichten der größte Mist sind, und das sage ich sowohl als Schüler, der sich damit befassen musste, als auch als Lehrer, der sie unterrichtet hat. Das könnte aber auch daran liegen, dass den Kurzgeschichten in der Schule - und in meinen fast zehn Jahre auseinander liegenden Sek I und Referandariat waren das immer noch die gleichen - einfach jeder Lebenswelt-Bezug fehlte. Häufig Trümmerliteratur, die sich unmittelbar mit der Nachkriegszeit beschäftigt, bzw. den nachfolgenden Wirtschaftswunderjahre, mit Erfahrungen und Verarbeitung, Generationenunterschieden. Für diese Thematik ist die Kurzgeschichte allerdings auch ein sehr dankbares Genre. Nur eben an 14jährigen total vorbei.

    Und hier schlage ich wieder den Bogen zurück zu 40K. Denn auch das ist ein Setting mit all seinen Konfrontationen, Konflikten und deren Auswirkung auf den Einzelnen, wo man sehr viel mit echten Kurzgeschichten machen könnte. Aber ich gebe zu, da hab ich mich auch noch nicht rangewagt.

    Weil die Genrezuordnung nicht passt, ist der Text deshalb aber nicht schlecht. Es ist eine Einzelszene. So wie sie jetzt ist, hängt sie allerdings ziemlich unvollständig in der Luft. Es ist klar, was passiert. Ja, und jetzt? Wie geht es weiter? Als Einleitung in eine größere Handlung wäre der Text gut geeignet.

  • Moin,

    wow, danke für dein ausgiebiges Feedback!
    Tatsächlich ist/war der Text nie als einzelne abgeschlossene Geschichte Gedacht. Geplant ist das ganze Projekt tatsächlich als eine Art Worldbuilding werden und zB aus Texten, Zeichnungen usw bestehen. Diese Geschichte sollte von Anfang an das "Tor" zu dieser Welt werden, und vieles generell offen lassen. Dem Leser sollte mit offenen fragen (was ist das für ein ort / eine Welt) zurückbleiben und lust auf "mehr" haben.

    Da dies aber mein erster Text, seit der Schulzeit, ist wollte ich mir einen klaren Rahmen setzen um mich nicht in "overthinking" und Details zu verlieren. Aus Anfangs ~500 Wörtern Vorgabe wurden dann schon ~700 geworden. Als ich fertig war mit dem Text waren es knapp 800 und ich habe noch einiges raus gekürzt und umgeschrieben so das es jetzt ca 730 sind.
    Hilfe von ner KI hatte ich tatsächlich beim formatieren, allerdings auch eher "wie formatiert man einen Text und nicht "hier formatier mir das mal" dabei sind mir auch die kurzen Dialoge aufgefallen die du ansprichst aber da war ich Kopftechnisch glaub ich schon zu sehr in meinem Rahmen gefangen.

    Jetzt nach ein paar Tagen würde ich einiges noch umschreiben/kürzen weiß aber nicht ob das sinnvoll ist.

    Die Mission die Primaris Technologie zu überbringen war eig dazu gedacht eine Grund zu liefern warum sie dort sind und Primaris Marines einzubringen, was bei Black Templar ja generell recht schwierig ist. Die Vision sollte der Grund sein warum sie dort bleiben denn auch mit dem tot des Navigators gebe es Möglichkeiten da Imperiale Schiffe generell mehrere Navigatoren an Board haben (ich meine 3) und auch mit dem Hintergrund der Kreuzzugs Flotte gäbe es Möglichkeiten weiter zu ziehen. Die Vision war also zum einen Zweck zum bleiben und den religiösen Fanatismus der Black Templer einzuführen quasi als Zeichen das sie dort genau richtig sind. Aber genau damit wird die eigentliche Mission ja unwichtig so das sie im Prinzip auch gar nicht erst, namentlich, genannt hätte werden müssen. Und Severian hätte genauso gut für sich allein die Primaris einführen können.

    Nur um ein Beispiel zu nennen, bevor ich jetz nen "Roman" schreibe.


    Mfg

    Sascha

    • Offizieller Beitrag

    Meine Erfahrungen beim Schreiben sagen, zumindest bei fiktionalen Texten, dass man sich nicht zurückhalten muss. Mir ist es beim Überarbeiten öfter vorgekommen, dass ich Szenen noch ausgebaut haben, oder ganze hinzugefügt haben, weil das, was ich erzählen wollte, noch nicht richtig oder zu kurz rüberkam. Ich schreibe charakterorientiert, und manchmal weiß ich im Kopf genau, wie, warum und mit welchen Gefühlen die Chataktere handeln, versäume aber, es so auszuformulieren, dass der Leser es auch weiß. Das etwas zu außschweifend war, ist noch nie vorgekommen und wurde mir auch noch nie zurückgemeldet (ok, detaillierte Rückmeldungen sind rar, die allgmeinen waren aber immer positiv. :D ) Überarbeitungen mache ich übrigens auch noch nach Monaten. z.B. will ich über meine Novelle Ifienthion nochmal drüberschauen, bevor ich eine neues Druckexemplar ordere. Wahrscheinlich werden mir dann die einen oder anderen Sachen auch noch auffallen. Besonders bei der Schlussszene hab ich im Hinterkopf, dass die etwas zu knapp und emotionslos ist und ein Charakter dadurch nicht so rüberkommt, wie ich ihn mir denke (vielleicht hatte ich das aber sogar schon gemacht und weiß es nur grade nicht, aber das werden ich ja dann sehen. :D ) Was ich damit sahen will: schreiben ist ein städiger Prozess, vor allem wenn damit einen eigene kleine Ecke des 40K-Universuims gestalten will. Da ist eigentlich nie irgendwes vollkommen fertig.

    Bei dem aktuellen Text ist der Knackpunkt tatsächlich die zweite Hälfte. Was du hier zu der Visions erklärts, und dass sie die Handlungen der Charaktere beieinflusst, ist absolut schlüssig. In der Geschichte wird das aber bestenfalls angedeutet, man kann es vermuten. Hier wäre etwas konkretere Dialoge besser.

  • Ja, ich glaub ich weiß was du meinst. Natürlich ist die Handlung für mich schlüssig weil ich sie ja auch im Kopf habe... ^^

    Was würdest du mir denn empfehlen, einfach erstmal weiter schreiben oder umbauen / "neu" schreiben?!
    Und gibt es irgendwo "Tuturials" zum schreiben ansich, da hab ich bisher nicht wirklich was brauchbares gefunden... leider.

    Mfg