Seach Novine - Den Vogel täuschen

  • Seach Novine

    Den Vogel täuschen


    ZarAsuryan ist angewiesen auf einen Zugang zum Netzt der Tausend Tore. So wichtig ist diese Mission, dass der Erste Runenprophet des Weltenschiffs selbst sie leitet, begleitet von seinem Schüler und eine kleine Ensatztruppe aus Aspektkriegern. Denn auf dem Mond aus Meeren und Inseln treffen sie nicht nur auf die heimsichen Vögel, sondern auch auf solche, mit denen selbst der Runenprophet nicht gerechent hat.

  • Ein dunkler Umriss zeichnete sich am dunstigen Himmel über der Eben am Waldrand ab. Langsam tiefer sinkend, schien er die Form eines großen Vogels zu haben. Beim näheren Hinschauen fiel jedoch etwas Eigenartiges auf. Anstatt gespreizt wie bei einem gleitenden Habicht oder nach hinten gebogen wie bei einem herabstoßenden Falken, wiesen die Flügelsitzen nach vorne.


    Der Vogel kam noch tiefer. Jetzt war sein Kopf zu erkennen. Der Schnabel schien gespalten zu sein, die beiden einander gegenüberstehenden Hälften erinnerten eher an die geöffneten Kieferzangen eines Insekts, denn an den Schnabel eines Vogels. Das Erscheinungsbild war in Gänze unnatürlich.


    Ein vibrierendes Summen begann die Luft zu erfüllen, erst kaum wahrnehmbar, an einen fernen Bienenschwarm erinnernd, dann immer lauter, je näher der Vogel kam. Nun, da er nur noch in doppelter Höhe über den Baumspitzen schwebte, war erst seine gewaltige Größe zu erkennen, größer als selbst die Raubadler, der auf den Grasebenen die gigantischen Laufvögel jagte. Die glatte Außenhaut war von leuchtendem Azurblau, die Schwingen schimmernd silbern. Das Summen wurde zu einem kurzen, hohen Aufheulen, als der Vogel einschwenkte, und verklang dann, während er langsam auf der Ebene niedersank.



    Aus der Luft glich die Oberfläche des Mondes einem Mosaik aus Smaragdgrün und Saphirblau. Weite Teile waren mit Wasser bedeckt, doch fehlten weite Ozeane. Unregelmäßig verteilten sich Gruppen größerer und kleinerer Inseln in den Meeren. Ein Paar besonders großer Landflächen, nur durch eine schmale Straße getrennt, erstreckte sich von der äquatorialen Region über die Südhalbkugel, für die Verhältnisse des Trabanten schon beinahe ein Kontinent. Die Küstenlinie waren zerklüfte von Fjorden. In der Mitte der beiden Landmassen erhoben sich schneebedeckte Gebirgsketten.


    Eathalvaën betrachtete das halbtransparente Abbild der Landmassen, das in der Mitte des Transportraumes schwebte. Einige rasche, präzise Bewegungen seiner schlanken Finger veränderten die Ansicht. Das Bild drehte sich zu einer Draufsicht und wechselte die Farben. Der größte Teil der Landschaft würde dunkel, nur die Umrisse zeichneten sich etwas heller ab. Doch zogen sich mehrerer bernsteinfarben glühenden Linien ab, die heller wurden, je näher sie aufeinander zuliefen, ehe sie sich in einem Punkt auf eine Halbinsel auf der Nordinsel trafen.


    Weswegen sie hergekommen waren, musste dort sein. Alles stimmte mit den Weissagungen der Runen überein: der türkisene Gasriese, sein habitabler dritter Mond, eine Welt aus Wasser und Inseln, deren Herr einen Stern zu Herren hat. ZarAsuryans Odyssee hatte hier schließlich ihr Ende gefunden. Ob der Schatten des riesigen Planeten ein sicherer Hafen war, würde sich noch herausstellen müssen. Eins stand jedoch fest: Ohne einen Zugang zum Netz der Tausend Tore war das Weltenschiff hier draußen, am östlichen Rand der Galaxis, im Niemandsland zwischen konkurrierenden Reichen der jüngeren Völker, vollkommen isoliert, auf sich allein gestellt und handlungsunfähig.


    ZarAsuryans Portal war irreparabel beschädigt. Hier sollte sich ein anderer Zugang befinden. Mit Glück war es groß genug, um ZarAsuryans Streitmacht Zugang zu den Welten der Galaxis zu gewähren, wenn auch die Flotte fortan in der Nähe des Weltenschiffes bleiben oder lange Reisezeiten würde auf sich nehmen müssen. Andererseits, so würde das Weltenschiff niemals seines wichtigsten Schutzes entbehren. Jeder unerfreulichen Situation ließ sich auch ein Vorteil abgewinnen.


    Nur eins hatte sich dem Runenpropheten bisher noch nicht erschlossen. Immer wieder hatte sich die Rune der Faolchu unter die anderen gemischt, so beharrlich, dass sie schließlich vor seinem inneren Auge die Gestalt eines wirklichen Falken annahm, mit blaugrauem Kopf und Flügeln, rostrotem Rücken und heller, gefleckter Brust. Die durchdringenden Augen glichen schwarzen Perlen.


    Der Vampire Raider setzte zur Landung an. Sanft und ohne jede Erschütterung beschrieb das Transportschiff einen weiten Bogen und kam schließlich zur Ruhe. Die große Heckluke öffnete sich und gab den Blick auf eine wilde, grüne Landschaft frei. Der Himmel war dicht verhangen von hellblaugrauen, regengetränkten Wolkenstreifen. Eben erst musste ein Schauer niedergegangen sein, denn die dicken Grasbüschel waren schwer von Wassertropfen. Wenn ein sanfter Wind die feuchte Luft bewegte, war sie von angenehmer Temperatur. Hoch oben in den Wolken kündigten dumpfes Grollen das nächste Sommergewitter an.


    In einigen hundert Schritten Entfernung griffen Sträucher und dichtes Gestrüpp ins offene Grasland hinaus. Hinter dieser grünen Barriere erhob sich das Kronendach des Urwaldes, aus dem einzelne Bäume mit mächtigen, silbergrauen Stämmen und weit ausladenden Kronen herausragten als würden sie die tiefhängende Wolkendecke stützen. Unwillkürlich fühlte der Runenprophet sich bei ihrem Anblick an die Wohn-Biodome des Weltenschiffs erinnert. In der Ferne schimmerten die schneebedeckten Gipfel der Bergkette, die die Inseln durchzog.


    Eathalvaën schritt die Rampe hinunter. Die Säume seines mitternachtsblauen, mit silbernen Runen bestickten Sehermantels und der hellblauen Robe streiften durch das feuchte Gras und sogen die glitzernden Wasserperlen auf. Die Luft roch nach Regen und Erde und war erfüllt von Vogelstimmen. Wie die IstuKarun es berichtet hatten: Dies war eine Welt der Vögel. Andere, vierbeinige Landtiere gab es hier nicht. Der Runenprophet schloss die Augen und lauschte. Er fühlte sich zurückversetzt in eine unsagbar ferne Vergangenheit, auf die Heimatwelt des Volkes von ZarAsuryan, die nun nicht mehr war.


    Ein vertrauter Geist erschien an seiner Seite. Eathalvaën öffnete die Augen. Der junge Runenleser war neben ihn getreten. Ein leichter Wind spielte mit seinen weißblonden, zu einem offenen Zopf auf dem Scheitel zusammengefassten Haaren. Er wartete, wie es die Sitten des Pfades geboten, bis sein Meister das Wort ergriff.


    „Illurayon, du weißt, dass ich wenig von Konventionen um ihrer selbst willen halte. Sprich aus, was dich bewegt.“


    Der Runenleser nahm eine Haltung der Demut an. Dennoch folgte er der Aufforderung.


    „Über diesem Wald liegt ein Schatten. Quan. JiorQuas sikal.[1]


    Der Runenprophet nickte zustimmend. „Wir werden unser Ziel nicht ohne Widerstand erreichen.“


    Hinter den beiden Aeldari-Sehern verließ ein Trupp aus zwanzig Aspektkriegern die Landefähre. Die tiefblauen Rüstungen, weißen, goldgelb gesäumten Schärpen und die mit gelbweißen Helmbüschen auf den hohen, silbernen Helmen zeichneten die eine Hälfet von ihnen als Rächer Asuryans von Schrein der Sonnengarde aus. Ihre Bewegungen waren präzise und bedacht. Jeder der Männer und Frauen hielt sein elfenbeinfarbenes Jagdkatapult vor sich, sichernd, aber nicht offensiv. EsikCaman waren Meister darin, jeder Situation mit der passenden Taktik zu begegnen. Die übrigen trugen die grün gemusterten Panzer, langen, geschwungenen Helme und Kettenschwerter der Skorpionkrieger. Trotz ihrer dicken Panzeranzüge bewegten sie sich nicht minder gewandt als ihre leichter gepanzerten Gefährten.


    Zuletzt verließ eine Kriegerin in der blauen, mit einer silbern schimmernden Brustblatte versehenen Rüstung ZarAsuryans den Vampire Raider. Ihr hoher, grüner Helm war mit den Mandiblastern eines Skorpionkriegers ausgestatte. Auf dem Rücken trug sie eingefaltet die himmelblauen Schwingen der Kriegsfalken, an der Seite ein Skorpionschwert und den Fusionsstrahler der Feuerdrachen. Versichernd sah sie sich um, schritt zu den beiden Sehern und nickte ihnen in einer Geste der Bestätigung zu. Einstweilen war keine Bedrohung auszumachen. Dann gab die Autarchin den wartenden Skorpionkrieger ein Zeichen. Der Trupp wandte sich in Richtung des Waldrandes, tauchte in das hohe Gras ein und war schon wenige Augenblicke später selbst für die scharfen Augen der Aeldari nicht mehr zu sehen.


    Einige Zeit nachdem die heimliche Vorhut sie verlassen hatte, setzte sich auch der verbliebene Trupp in Bewegung. Die Rächer Asuryans schritten wachsam voran, die Seher und die Autarchin folgten.


    Als sie den Waldrand erreichte hatten, hielten sie inne. Vor den Asuryani erhob sich eine grüne Wand aus Ästen und Ranken. Baumfarne reckten ihre gefiederten Wedel dem Licht entgegen. Blätter groß wie Schlangenschilde webten im Wind. Das Dickicht erschien undurchdringlich.


    Erwartungsvoll sah Eathalvaën die Autarchin an. Sie hob den Kopf, als würde sie in eine bestimmte Richtung lauschen. Dann nickte sie.


    „Die MeanTokath haben einen Pfad entdeckt, der in den Wald führt“, berichtete sie. „Bisher konnten sie keine feindlichen Kräfte ausmachen.“


    „Dann folgen wir ihnen“, entschied der Runenprophet. „Bleibt dennoch wachsam.“


    Einige Schritte entfernt tat sich eine Öffnung zwischen den Pflanzen auf. Die Asuryani schlüpften durch das Laub in fanden sich umgeben von feuchtwarmen, grünen Schatten des Waldes wieder.


    __________________________________________________________

    [1]Quan=unnatürlich; JiorQuas = der Warp; sikal=nahe

  • Nahezu ohne ein Blatt zu regen, pirschten die zehn Skorpionkrieger durch das Unterholz. Weiter im Inneren hatte das dichte Gestrüpp des Waldrandes sich gelichtet. Dennoch boten die Baumfarne, großblättrigen Stauden und Büschen genügend Deckung für die Aspektkrieger. Ihre grüngefleckten Rüstungen ließen sie mit dem Wechselspiel auf Licht und Schatten verschmelzen. Mit fließenden, bedachten Bewegungen schlichen sie vorwärts, hielten inne, lauschten. Vögel und Insekten waren die einzigen Lebewesen, die Laute von sich gaben. Das Gewirr von stimmen verschmolz zu einem monotonen Hintergrundrauschen. Nichts stach daraus hervor, dass auf eine Bedrohung hingedeutet hätte.


    Die MeanTokath folgten einem schmalen Pfad durch den Busch, wie größere Tiere ihn anlegten, um zu Futter- oder Wasserstellen zu gelangen. Ihr Ziel musste irgendwo tiefer im Wald liegen, so hatte der AreIdainn gesagt. Ihre Aufgabe war es, den Weg dorthin zu sichern, mögliche Feinde zu überraschen und auszuschalten – der Pfad des Skorpions. Einstweilen schien sich jedoch kein Gegner zu finden.


    Ein schriller Vogelschrei stach aus der Geräuschkulisse hervor. Der Trupp hielt an. Reglos verharrten die Krieger zwischen den Blättern. Wären sie in der Bewegung für einen aufmerksamen Beobachter noch zu erkennen gewesen, wurden sie nun vollends eins mit ihrer Umgebung. Nur die IstuKarun in ihren Chameolinmantel vermochten die Skorpionkrieger in der Kunst der Tarnung zu übertreffen. Der Tierlaut mochte ein Warnruf gewesen sein. Ein scharfblickender Vogel konnte die Eindringlinge entdeckt haben und aufgeschreckt worden sein. Wie die Methoden ihres Pfades lehrten, verharrten die Aspektkrieger, abwartend, ob dem Warnruf eine Reaktion folgen würde.


    Mearmuan – diesen Namen nahm sie an, wenn sie ihre Kriegermaske anlegte – kauerte neben einem ihrer Kampfgefährten zwischen den Wurzeln eines mächtigen Nadelbaumes. Der silbergraue Stamm hatte die Ausmaße eines kleinen Turms. Hoch über ihnen rauschte die Krone im Wind eines heraufziehenden Gewitters. Sie konnte das Schwanken des Stammes spüren.


    Ein kleiner Trupp blau schillernder Vögel flatterte durch die mittleren Schichten des Geästs, umkreiste sich zeternd und verschwand irgendwo im tiefen Grün des Dschungels. Danach kehrte wieder Ruhe ein, untermalt vom Dauerkonzert der Tierstimmen.


    Der Befehl des Truppführers erklang in Mearmuans Geist, übertragen von den psionischen Kommunikationsschaltkreisen ihres Helms. Amainiluin! Sunolam.[1] Mearmuan signalisierte, dass sie den Befehl empfangen hatte und ihn befolgte. Reglos kauerte sie sich in die Nische zwischen den Wurzeln und zählte ihre Atemzüge – eins, zwei, drei, vier fünf –


    Im nächsten Moment war der Wald erfüllt von schrillen, kreischenden Stimmen. Drahtige, zweibeinige Kreaturen brachen aus dem Geäst hervor und ließen sich aus den Zweigen über ihnen fallen. Sie waren ebenso groß und schlank wie die Aeldari, doch ihre Gesichter waren die abscheulicher Tiere, mit schnabelähnlichen Mündern, überstehenden Unterkiefern, winzigen, schmalen Augen und hohen Kämmen von Hornstacheln, die sie drohend aufrichteten. Schwarze Hornstacheln ragten auch aus den Seiten ihrer Arme und Beine hervor. Ihre Haut war grünblau und mit schwarzen Flecken versehen. Über den Schultern trugen grob aneinander genähte Lappen aus rohem Leder, ansonsten waren sie nackt. Stattdessen waren ihre Körper behangen mit Knochenschmuck und Beuteln und Haken, die von geronnenem Blut verfärbt schienen. Ein durchdringender Gestank ging von den Kreaturen aus.


    Die Missgestalten bewegten sich flink und gewandt. In den Händen, deren vier Finger zu je zwei einander gegenüberstanden, hielten sie blanke Messer und lange, primitive Gewehre, an Mündungen mit kurzen, scharfen Klingen besetzt waren.


    Ohne Vorwarnung fielen die Kreaturen über die Aeldari her. So gezielt sprangen sie die Skorpionkrieger in ihren Verstecken an, hieben mit den Klingen auf sie ein, dass es nur eine mögliche Erklärung gab: Sie hatten ihr Ziel die ganze Zeit gesehen und verfolgt - ohne dass die Aspektkrieger sie selbst mit den überlegenen psi-optischen Systemen ihrer Helme bemerkt hatten. Oder hatten sie ihnen, unter der Myriaden Kreaturen dieses Dschungels, einfach nicht die nötige Bedeutung beigemessen?


    Doch wenn die Wilden glaubten, eine leichte Beute überrascht zu haben, sollten sie rasch erkennen, in welchem Irrtum sie sich befanden. Die MeanTokath trugen ihren Namen nicht zu Unrecht. So heimlich wie sie sich anpirschten, so brutal und unbarmherzig schlugen sie zu. Selbst der überschatte Skorpion hatte noch Stacheln und Scheren.


    Die Aspektkrieger glitten aus ihren verstecken. Das hohe Summen der zahnbesetzten Ketten ihrer Skorpionschwerter erfüllte die Luft und übertönte das Insektenkonzert. Aus nächster Nähe feuerten sie ihre Shurikenpistolen auf die Angreifer ab. Die messerscharfen Klingenschieben zerfetzten die ungeschützte, ledrige Haut der Halbvögel, ehe die schweren Schläge der Schwerter sich durch die Knochen ihrer Glieder fraßen.


    Doch die wilden Kreaturen ließen sich von der Gegenwehr die Aeldari nicht einschüchtern. Rasch hatten sie bemerkt, dass es ihren Gegnern in ihren dicken Panzern an Beweglichkeit fehlte. Nachdem die ersten Schwertstreiche ihre Ziele gefunden und ein halbes Dutzend der Kreaturen niedergestreckt hatten, erlaubten die Kreaturen den Aspektkriegern nun nicht mehr, in ihre Nähe zu kommen. Gewandt sprangen sie zurück, wichen den Schlägen aus, tauchten in das Unterholz ein, nur um im nächsten Moment aus einer anderen Richtung wieder über die Aeldari herzufallen.


    So gut sie konnte, wich Mearmuan vor ihrem Gegner zurück. Allein dies missfiel ihr zutiefst. Es entsprach nicht der Art der MeanTokath, noch entsprach es ihr, selbst überrascht und in einen langwierigen, offenen Kampf gedrängt zu werden. Der Skorpion lauert, schlägt mit Macht zu, und verschwindet wieder. Doch diese Prämisse war nun nutzlos.


    Die Kreatur kreischte und sprang mit unnatürlicher Kraft auf sie zu, holte dabei weit mit ihrer Waffe aus und hieb die Klingen gegen ihren Brustpanzer. Der Treffer warf wie zu Boden, dich die Rüstung hielt stand. Ihr Gegner setzte zum nächst Schlag an. Mearmuan rollte sich zur Seite und kam in die Hocke. Der Halbvogel setzte ihr nach. Sie fasst den Griff ihres Schwertes und richtete ihren Blick fest auf ihren Gegner. Die psi-optischen Sensoren ihres Helmes offenbarten den Aufbau des Alien-Körpers: ungewöhnlich dichte Muskelfasern, die gleichen Organe wie bei jedem anderen Zweibeiner auch, und hohle Knochen. Kein Wunder, dass sie so unberechenbar schnell und beweglich waren. Sie auszumanövrieren würde ihr nicht gelingen können.


    Reglos kauerte die Skorpionkriegerin am Boden, obwohl jeder Funke ihres Selbsterhaltungstriebes sie drängte, sich weiter zurückzuziehen. Doch ihr Kriegergeist widersetzte sich diesem Instinkt. Fest fasst sie ihren Gegner ins Auge. Eine Armlänge war er noch von ihr entfernt. Hoch hob er sein Gewehr über ihren Kopf und holte erneut zum Schlag aus.


    Mearmuan konzentrierte ihren Geist auf den entblößten Rumpf der Kreatur. Vor ihrem geistigen Auge zeichneten sich die Konturen von Herz und Lungen ab, die rasenden, stoßweisen Bewegungen der Organe. In dem Moment, bevor Schlag niederging, aktvierte sie ihren Mandiblaster. Ein Gedanke genügt und die Stutzen an den Wangenplatten ihrer Kriegermaske entließen ihre tödliche Ladung. Winzige, nadelgleiche Metallsplitter drangen in den Körper des Geschöpfes sein. Es stieß einen schrillen Schmerzenslaut aus und fiel im Sprung zu Boden. Doch sie schien sich wieder aufrappeln zu wollen. Die Muskelschichten über der Brust waren robuster, als es für Zweibeiner dieser Größe üblich war.


    Ungerührt blieb Mearmuan an Ort und Stelle. Der Stich des Skorpions sollte seine volle Wirkung erst noch entfalten. Ein weiterer Gedanke setzte die Energie des Lasers frei. Die Splitter fingen den Impuls auf und wurden in Bruchteilen eines Augenblicks in flüssiges Metall verwandelte, dass sie in die Organe der Kreatur brannte. Ihre Schreie verebbten in einem Gurgeln, krampfend lag sie auf dem Rücken. Die Optik des Helms offenbarte Mearmuan die verheerende Wirkung ihrer Waffe. Doch damit gab sie sich nicht zufrieden. Halb richtete sie sich auf, holte mit dem Kettenschwert aus und hieb, ohne zu zögern, dem Gegner zu ihren Füßen die surrende Klinge durch die Brust. Der Geruch von kochendem Blut und Fleisch breitete sich aus. Es erfüllte den Geist der Aspektkriegerin mit Ruhe und Zufriedenheit.


    Erst jetzt bemerkte sie einen stechenden Schmerz an ihrer Leiste. Eine Klinge war von der Waffe des Aliens abgebrochen und hatte sich in einen Spalt zwischen den Platten ihrer Rüstung gebohrt. Helles Blut pulsierte aus der Wunde hervor.


    ________________________________________________________________________________________________________________

    [1] Am- = Imperativ; aniulin = wartend; sun = sechs; olam = das Zehnfache eine Sekunde (wörtl.: ein Atemzug)