To Fluff or not to Fluff, this is the Question

  • Hallo Zusammen,

    Durch eine neue Bekanntschaft meiner Freundin sind wir in eine Diskussion zum 40k-Lore gekommen. Besagte neue Bekanntschaft ist ein großer Anhänger von Grim Dark und ist tief im Hintergrund verwurzelt. Da kam dann die Frage auf wie ich, mit meiner langjährigen Spielerei, nahezu null Bezug zum Hintergrund hab.

    Durch das Gespräch kamen dann eine reine von Erkenntnissen.

    Zuerst bin ich ein Spieler der „ersten Stunde“ und was mich damals begeistert hat war die Möglichkeit in das Schlachtfeld einzutauchen und mit dem Geschehen auf „Augenhöhe“ zu sein. Die wenigen Absätze die es zum Start zum Hintergrund gab waren da eher schmückendes Beiwerk und definitiv keine ausgearbeitete Welt. Am besten gefielen mir all die Anspielungen und Easter Eggs auf bekannte Pop-Culture Elemente.

    Irgendwann kam dann Inquisitor von Ian Watson als (wenn ich mich nicht täusche) erster 40k Roman. Doch was da beschrieben wurde passt nicht zu meinem Head-Cannon den ich mir gebildet hatte und entsprechend liess ich spätere Romane links liegen. Als nächstes kamen dann die Codices der 2. Edition. Dort konnte man den Fluff dann zusammenfassen mit „Eine epische Schlacht passiert. Die Codex Armee ist kurz vor dem Verlieren als Ereignis / Charakter XYZ das Blatt wendet. Die Schlacht wird gewonnen, aber er ist bitter durch die enormen Verluste der eigenen Seite“ Gääähn.

    Zur Zeit als dann mit den HH Romanen der Hintergrund massiv ausgebaut wurde war ich dann schon fast 2 Jahrzehnte im Hobby. Ich spielte das Spiel regelmäßig und keiner in meiner Gruppe benötigte einen tiefen Hintergrund um Spass zu haben. Wenn ich hier und da über einen Schnipsel Lore gestolpert bin dann hat mir vollkommen der augenzwinkernder Humor gefehlt und es ging, aus meiner Sicht, weiter in die Richtung der 2nd Edition Codices.

    Entsprechend hab ich mich dann lange komplett vom Hintergrund abgekoppelt. Wenn es Teile im Spiel gab bei dem ich mich auf den Hintergrund beziehen wollte, dann griff ich auf mein Wissen aus der 1st Edition zurück.

    Als ich dann stärker in 30k eingestiegen bin, erwachte mein Interesse an den Daemonenprimarchen. Vor allem da ich ja schon immer meine Chaos Daemonen liebte. Bei meinen ersten Nachforschungen was man denn am Besten zu diesen Lesen sollte, stieß ich dann aber schnell darauf das diese ja nicht von Grund auf böse Chaotisch waren, sondern vielmehr missverstanden oder fehlgeleitet. Und das war es dann auch wieder mit meinem Interesse. Ich mag meine Bösewichte böse, nicht missverstanden.

    So spielte ich dann glücklich, sorglos in meiner Fluff freien Bubble vor mich hin. Bis ich nun vor einiger Zeit über die Welt der Warhammer Memes gestolpert bin. Über diese hab ich mehr über den 40k und 30k Hintergrund gelernt als in den vielen Jahrzehnten davor. Mehr noch, durch die humoristische Wiedergabe hab ich auch den augenzwinkernden Humor der ersten Jahre wiedergefunden.

    Mittlerweile hat vieles was dort zu finden ist einen festen Platz in meinem Head Cannon gefunden und ich finde die Meme-Lore wesentlich interessanter als den echten Hintergrund. Dort gibt es Charaktere für die ich gerne tiefer in den Lore einteigen würde (sofern der Charakter oder seine Darstellung nicht verändert wird). Doch leider wird das nicht passieren…


    Nun das war jetzt jede Menge Text, aber irgendwie wollte ich das einfach mal loswerden. Gerade weil mich das am Anfang erwähnte Gespräch sehr zum Nachdenken über 40k Lore und meinen Bezug dazu angeregt hat.

    Damit das aber nicht ein einmaliger Eintrag bleibt hier ein paar Fragen an euch.

    Wie ist euer Bezug zur 40K Lore und inwieweit beinflusst dieser euer Eintauchen in das Hobby und auf dem Spieltisch?

    Was haltet ihr von den 40k-Memes? Sind diese eine abomination und sollten nicht als Teil des Hintergrunds gesehen werden oder habt ihr wie ich Spass daran und würdet euch wünschen das manches davon den Sprung in das echte Spiel-Universum finden würde?

  • Ich würde sagen, dass es bei mir das genaue Gegenteil ist. Ich spiele praktisch gar nicht mehr, bin aber total im Fluff. Ich habe mir einen ganzen Sektor ausgedacht, in dem meine Armeen zuhause sind. Auch bei den Spielen fand ich die, die einen Rollenspielbezug haben, wie Mortheim oder Necromunda besser. Zum einfach nur spielen ist 40K auch nicht wirklich die beste Option. Da spiele ich lieber ein strategisches Brettspiel.

    Also grob zusammengefasst: der Fluff und das Umbauen sind meine wesentlichen Hobby-Antriebe.

  • Ich habe mir einen ganzen Sektor ausgedacht, in dem meine Armeen zuhause sind

    Wow, das ist wahre Dedication. 😳

    Ich kam damals auch von den Strategiespielen. Kann mich an manche durchgemachte Nacht mit z.B. Titan erinnern. Da gabs dann bei den Schlachten Hexfelder und man hat beim Check der Sichtlinie und Reichweite Felder gezählt und geschaut ob in einem Feld ein Baum oder Stein eingezeichnet war.

    Genau da hat 40k (mit Line of Sight auf Augenhöhe der Modelle) bei mir den Köder angesetzt den ich voll geschluckt habe.

    Hab die Brettspiele deswegen nicht aufgegeben. Aber 40k hat mir einfach was geboten was diese damals nicht konnten.

    Wenn du so tief im Fluff verankert bist, was ist denn deine Meinung zum „Parallel-Fluff“ der Memes?

  • Ich denke, dass ein bisschen Satire nicht schaden kann. Es gibt ja auch genug Dinge im Fluff die nicht logisch erklärt werden können. Über die kann und darf man sich lustig machen. Aber den Fluff von Rogue Trader, der ein Sammelsurium von zusammengeklauten Versatzstücken aus allen möglichen Sci-Fi-Stories war, wünsch ich mir nicht zurück.

    • Offizieller Beitrag

    Ich erzähle das jetzt wahrscheinlich nicht zum ersten Mal. :D

    Ich hatte früher schon immer den Wunsch, zu meinen selbst ausgedachten Characteren Figuren zu haben und damit die Geschichten nachspielen zu können. Ich hab das dann später mit Mein kleines Pony und Regina Regenbogen kompensiert, da gab es Welten, aber es waren eben nicht meine Charaktere. Näher ran kam ich dann relativ verspätet mit Lego Rittern, als die ihre erste Fantasy-Drachenburgen-Episode hatten. Da wurde es dann ein Mix aus Artussage, Robin Hood und dem letzten Einhorn (das ein einfaches weißes Pferd war. Ironisch, wenn man es auf den Roman bezogen betrachtet.) In meiner Fabeltier-Phase hatte ich dann tatsächlich meine ersten wirklich eigenen Charaktere. Mein Forenname sowie der vormalige Avatar sind ein Überbleibsel davon. Da hatte ich auch die ersten Ambitionen, einen Roman zuschreiben. Nur das mit den Figuren war nichts. Was an Fabeltieren auf dem Markt war (Schleich und Co.) entsprach nicht meinen Vorstellungen. Außerdem war ich da grade aus dem Spiel-Alter herausgewachsen.

    Zu 40K kam ich relativ spät, so Mitte der Nullerjahre. Der Fluff war da von vorn herein ein fester Bestandteil. Ich hab das - rückblickend - überhaupt nicht hinterfragt, ob ich diesen Aspekt mit einbeziehen, oder nicht. Da standen Hintergrundinfos in den Regelbüchern, also gehörte das dazu. Ich hab dann auch ziemlich schnell gemerkt, dass es das bietet, was ich immer gesucht habe. Das Gesamtresultat ist allgemein bekannt und hier im Forum und auf meiner Hompage zu finden.

    Zum Spielen komme ich tatsächlich seltener, als ich gerne würde. Dabei kommen ich grade jetzt, mit der viel gescholtenen 10. Edition, besser zurecht als all die Jahre zuvor. Romane hab ich bis auf den ersten Ragnar-Schwarzmähne-Roman (an den ich mich praktisch garnicht erinnere), einen Uriel-Ventris-Roman wo sie den Todesboten wecken (der damals noch ein kompletter C'tan war), diesem mit dem Runenpropheten und dem Freihändler (weil Eldar) und der Eisenhorn-Reihe (langweilig) tatsächlich überhaupt nicht gelesen. Mich interessieren weder Astra Militarum noch Space Marines so wirklich, geschweige denn die Details von Familiendramen von vor 10.000 Jahren. Und auch wenn das jetzt etwas arrogant klingen mag: für mein eigenes Schreiben brauche ich die nicht. Ich hole mir meine Inspirationen lieber ganz von außerhalb des Universums als aus dem, was interne Autoren sich schon ausgedacht haben.

  • Ich bin an einem Punkt angekommen, wo mich (neuer) Fluff wesentlich weniger interessiert und ich eigentlich sogar Einiges am liebsten wieder vergessen würde.

    Es liegt ja in der Natur des Menschen, dass man neugierig ist und soviel an Informationen, wie möglich aufgreifen möchte, um nicht in Ungewissheit zu stehen. Jedoch, so empfinde ich es jedenfalls, entzieht das W40K eine Menge von seinem Mysterium. Das Setting war irgendwie ansprechender, wenn man z.B. nicht wirklich wusste, wer/was der Imperator eigentlich ist.

    Deswegen mache ich auch einen riesen Bogen um Alles, was die Horus Heresie betrifft, denn es fühlt sich wesentlich authentischer an, wenn ich genauso unwissend über diese Epoche bin, wie ein imperialer Bürger und es eigentlich noch bekannt war als "der große Bruderkrieg" (jedenfalls in Deutschland).

    Das ist logischerweise meine persönliche Entscheidung.

    Witziger ist es dann schon, wenn jemand überhaupt kein Interesse an dem Fluff von 40K hat, einfach 'drauf losmalt um mit hübschen Figuren spielen zu können und dann irgend so einen Hardcore Lore-Fiend gehörig auf die Palme bringt.

    Nach dem Prinzip: "Hä?! Wieso darf meine 10. Kompanie Ultramarines aus nichts Anderem, außer Scouts bestehen? Ist mir doch egal, das sind meine Figuren!"

    • Offizieller Beitrag

    Es liegt ja in der Natur des Menschen, dass man neugierig ist und soviel an Informationen, wie möglich aufgreifen möchte, um nicht in Ungewissheit zu stehen. Jedoch, so empfinde ich es jedenfalls, entzieht das W40K eine Menge von seinem Mysterium. Das Setting war irgendwie ansprechender, wenn man z.B. nicht wirklich wusste, wer/was der Imperator eigentlich ist.

    Kann ich völlig verstehen, auch wenn es bei mir genau das Gegenteil ist. Die Faszination verringert sich nicht, wenn ich in das Thema tiefer eintauche, sie wird nur größer. Das könnte natürlich an meiner Autoren-Mentalität liegen und das ich alles gerne systematisiere und in meinem Kopf zu einem Netz aus Informationen verknüpfe, das immer größer wird, und an dass ich dann mit meinen eigenen Ideen andocke.

    Den Ansatz der - ich nenne es mal immersiven Unwissenheit finde ich aber auch sehr interessant. Ich befasse mich mit allem anderen als meinen eigenen Fraktionen auch nur sehr oberflächlich. Ich gehe davon aus, dass die Eldar, vor allem die Seher, sehr viel mehr über die Vergangenheit und Gegenwart des Imperiums wissen, als 99,9% der Bevölkerung. Wenn ich das erzählerisch mal brauchen sollte, würde ich mich darüber schlau machen. Ansonsten belasse ich es dabei. So gewisse Eckpunkte sind mir ein Begriff, vor allem, wenn sie langfristige Nachwirkungen hatten, aber das war es dann auch. Vor allem bin ich bei allem, was nach dem Fall von Cadia passiert (ist) komplett raus.

  • Ein paar Dinge habe ich such zu ignorieren beschlossen. Mein persönlicher Fluff ist sozusagen vor dem Fall von Cadia stehengeblieben. Und das Retcon bei den Iron Hands, demzufolge die einzelnen Clankompanien nicht mehr selbstversorgend inkl. Terminatoren, Scouts usw. sind, sondern einfach normale Kompanien wie bei anderenOrden, ignoriere ich auch

  • immersiven Unwissenheit

    Das ist mal ein schönes Wort und ja, es umschreibt auch ziemlich gut, was meine Intention ist.

    Würde ich z.B. auch nicht wissen, was das ultimative Schicksal eines jeden Genestealer Cults ist, der sich erfolgreich aufbegehrt, meine Sympathien für die Kulte wäre ein wenig größer.

    Gleiches gälte auch für Menschen, die sich den T'au freiwillig anschließen oder gar zum Chaos übertreten.

    Ohne das ganze Hintergrundwissen, was die Alternativen beinhalten, würde das Imperium wesentlich bösartiger rüberkommen; so ist es immer noch ein grausames, aber notwendiges Übel.

    Was ich auch interessant finde: Nicht wenige "leben" in der Zeit vor dem Fall Cadia's.

    Würde ich auch sehr gerne, aber es ist ein so markantes Ereignis in 40K, dass es fast schon unmöglich ist, es zu ignorieren; nicht nur, weil ich imperialer Spieler bin:

    Der Fall von Cadia selbst kommt schon der Sprengung eines bekannten Weltenschiffes, wie Ulthwé oder Biel-Tan gleich, oder der Vernichtung von Macragge.

    Hinzu kommt dann ja noch die zeitgleiche Spaltung der Galaxie durch den Cicatrix Maledictum (der großen Riss), die Fortsetzung des 13. schwarzen Kreuzzugs und dem beginnendem Verfall des goldenen Throns.

    Das Alles wöllte ich am liebsten vergessen wollen, denn ohne diesen harten Zeitstempel fühlte sich 40K so zeitlos an, wie die Epoche der Western's, Piraterie oder dem europaischem "Mittelalter". Alles konnte vor 200 Jahren, oder letzter Woche Donnerstag stattgefunden haben. Es war nicht immer klar definiert und auch völlig schnuppe. Ein herrliches Gefühl.

    Alles in Allem, die Aussage "Selig sind die geistig Armen" hat immer wieder mal Etwas für sich. :)

  • Sorry das ich mich erst jetzt wieder in dem von mir initiierten Thread melde. Die Woche lief nicht ganz wie erwartet…

    Vielen Dank für all die Rückmeldungen und den Einblick in die verschiedenen Arten mit dem Fluff umzugehen.

    Immersiven Unwissenheit finde ich auch einen sehr schönen Begriff. Das kenne ich auch von den Universen bei denen ich tief im Lore drin bin. Es gibt manche Sachen die leben davon das sie mysteriös sind. Da muss dann nicht der Ursprung / Hintergrund bis ins letzte Detail beschrieben werden.

    Dafür hat man dann Sachen über die man gerne mehr erfahren würde, um die aber die Schreiber einen großen Bogen machen. (Das würde uns dann zum Thema FanFiction zurückbringen 😉 )

    Ein paar Dinge habe ich such zu ignorieren beschlossen. Mein persönlicher Fluff ist sozusagen vor dem Fall von Cadia stehengeblieben. Und das Retcon bei den Iron Hands, demzufolge die einzelnen Clankompanien nicht mehr selbstversorgend inkl. Terminatoren, Scouts usw. sind, sondern einfach normale Kompanien wie bei anderenOrden, ignoriere ich auch

    Das ist ja quasi wie ich den Rogue Trader Fluff benutze, wenn ich denn mich mit 40k Fluff auseinandersetze. Wobei ich es sehr spannend finde das du ausgerechnet mit dem nix anfangen kannst. Ich könnte mir sehr gut vorstellen das wenn der Fluff in dem Stil von damals weitergeführt worden wäre, ich mich heute mehr dafür interessieren würde.

    Mondschatten Du hast wiederum einen anderen Ansatz, indem du dich nur für deine Ecke des Fluffs interessierst aber nicht für den Rest. Da stellst sich dann mir die Frage wie du das machst wenn deine Charaktere mit denen von anderen Völkern in Berührung kommen. Musst du dich dann nicht auch in die Motivation eines Imperialen hineinversetzten? Und hängt die Motivation nicht von seinem Hintergrund im Imperium und dessen Geschichte ab?

    • Offizieller Beitrag

    Du hast wiederum einen anderen Ansatz, indem du dich nur für deine Ecke des Fluffs interessierst aber nicht für den Rest. Da stellst sich dann mir die Frage wie du das machst wenn deine Charaktere mit denen von anderen Völkern in Berührung kommen. Musst du dich dann nicht auch in die Motivation eines Imperialen hineinversetzten? Und hängt die Motivation nicht von seinem Hintergrund im Imperium und dessen Geschichte ab?

    Naja, ich arbeite mich da ein, je nach Bedarf... hatte ich das weiter oben nicht erwähnt? :| Ich hab ja auch meinen Inquisitor und seine Truppe. Am besten zeigt sich das in Stahlopas zweitem Roman, die wir ja in Kooperation geschrieben haben. Da spielt ja mein Inquisitor die zweite Hauptrolle, meine beiden Weltenwanderer kommen aber auch vor, sowie mehrere Nebencharaktere, die in unterschiedlichen Sitautionen auf sie reagieren.

    In Ad bestias wiedrum spielt ein Blutwolf mit. Er ist ein bisschen Plot-Device und ich hab ihn charakterlich eher oberflächlich-klischeehaft angelegt - was aber wohl für einen Astartes-Neuling von einer Todeswelt wohl auch passt.

  • Naja, ich hab halt auch "erst" mit der zweiten Edition angefangen, wo der Fluff schon so weit fortgeschritten war, dass es keine Halb-Eldar Ultramarines Scriptoren und ähnliche Auswüchse mehr gab. Ich mag meinen Hintergrund moralisch lieber grau statt schwarz-weiß und lieber grimdark als albern. Das Imperium darf böse, intolerant und menschenverachtend sein und Chaos Space Marines dürfen zwiespältig sein. Das Konzept moralisch einwandfreier strahlender Held kämpft gegen das ultimative grundlose Böse funktioniert für mich eher nicht. Allzu albern funktioniert für mich auch nicht, es sollte schon noch irgendwie Sinn ergeben.

  • Ich habe auch nichts gegen graue Gestalten im Fluff. Was ich halt gar nicht abkann ist wenn Charaktere die von Ursprungsauthor als Böse konzipiert wurden im nachhinein zu grauen oder gar Anti-Heros gemacht werden. Wie z.B. bei Wicked oder Malificent. Mondschatten Das ist übrigens ein Punkt bei dem ich mit deiner Ansicht zu FanFiction voll übereinstimme. 😉

    Auch kann ein Hintergrund ja durchaus Grimdark sein, aber mit einem „Twinkle in the eye“ erzählt werden.

    • Offizieller Beitrag

    Ich bin mir nicht ganz sicher, auf welche meiner Ansichten zu Fanfiction du dich beziehst, aber ich vermute die, sich nicht der Charaktere anderer zu bedienen. Zu Wicked kann ich wenig sage, da ich werder den Zauberer von Oz gelesen habe noch das Musical gesehen. Liegt auch beides nicht unbedingt in meinem Interessensspektrum.

    Was Maleficent angeht, hat in dem Sinne schon Disney, und damit meine ich noch den alten Walt, den "Frevel" begangen. Wobei, eigentlich nicht. Es gab keinen Ursprungsautor für die Böse Fee in Dornröschen. Genau genommen ist sie im Original nicht mal ein Charakter, sondern ein Archetyp, so wie alle Figuren in klassischen Märchen. Die haben, mit Ausnahme der titelgebenden Hauptfiguren (und auch das nicht immer), ja nicht mal einen Namen, sondern nur eine Rollenbezeichnung. Und selbst bei Hauptfiguren mit Namen ist das selten mehr als eine Beschreibung des hervorstechenden Merkmals der Figur - Dornröschen, Schneewittchen, Schneeweißchen und Rosenrot, Rotkäppchen, Aschenputtel, Rapunzel (= Feldsalat).

    Aus keine Ahnung was für Gründen sahen es die Drehbuchschreiber 1959 als notwendig an, allen, einschließlich der Bösen Fee, einen Namen zu geben. Vielleicht schwebte ihnen mehr ein Fanatsy-Film oder Kinderbuch vor. Von den Archetypen lösen sie sich trotzdem nicht, vom Comic Relief der beiden Könige und der Guten Feen vielleicht mal abgesehen. Darüber hinaus sind die Namen, die die Figuren erhalten haben, dermaßen redend, dass sie von den klassischen Rollen- und Eigenschaftsbezeichnungen auch nicht allzuweit entfernt sind. Die Prinzessin, die jedenmanns Freude sein soll, heißt Sonnenaufgang, der Prinz, der mit seinem Gaul quatscht, heißt Pferdefreund. (Zu Malefiz s. weiter unten.)

    Insofern kann man bei der klassischen Maleficent nicht wirklich von einem vom Ursprungsautor böse erschaffenen Charakter sprechen, weil sie, im Sinne der Bösen Fee, weder ein Charakter ist, noch einen Ursprungsautor hat. Die moderne Maleficent-Geschichte dagegen ist eine Twisted Tale, eine verkehrte (nicht im Sinne von "falsche") Adaption einer klassischen, überlieferten Geschichte (die Verfilmung von 1959 dagegen war eine leicht abgewandelte Nacherzählung). In der modernen Geschichte werden die archetypischen Figuren erst zu Charakteren eben dadurch, dass sie Tiefe und Hintergründe haben. Das haben klassische Märchenfiguren nämlich grundsätzlich nicht.

    Das einzige, was ich den Autoren dort vorhalten kann, ist der Name: Maleficent ist das morphologisch nicht ganz sauber gebildetet Partizp Präsens von malefacio = Böses zufügen (richtig wäre malefacent), also "Böses zufügend". Da hat man anscheinend das zugehörigen Adjektiv maleficus mit reinfließen lassen. Wenn der Charakter aber nicht von Anfang an Böse war, warum zum Kuckuck heißt er dann von Anfang an so? Das ergibt keinen Sinn. (Das gleiche mit den Hörnern, die schon ziemlich dämonisch aussehen für eine gute Fee. Sinniger wäre gewesen, wenn die Hörner gewachsen wären, als sie ihre Flügel verloren hat. Damit einhergehend ein selbstgewählte Umbenennung, mit dem neuen Namen stellt sich sich dem Raben vor. Da wären noch eine weitere Eben Erzähltiefe dazugekommen. Schade, verpasste Chance).

    • Offizieller Beitrag

    Ich muss gestehen ich habe damals alles an Fluff gefressen was ich gefunden habe. Ich wollte einfach alles über das Universum wissen.

    Inzwischen fehlt mir leider echt die Zeit im Alltag. Ich habe hier noch ein Stapel von Büchern liegen die ich eigentlich lesen müsste aber naja... ;)

    Für mich ist es bei Charakteren auch immer wichtig das sie eine Motivation für ihr handeln haben. Jemand der böse ist nur um böse zu sein diesem Charakter kann ich halt nicht viel abgewinnen. Deswegen bin ich auch ein großer Fan der Horus Heresy (oder eher Pupertät ;) ) Romanen da man eben dort einen sehr guten Einblick bekommt wie es überhaupt zum großen Bruderkrieg kommen konnte. Teilweise mal besser mal schlechter erzählt aber das macht für mich Charaktere glaubwürdiger.

    Gerade am 40k Fluff liebe ich es das er eigentlich ein durchgehendes Grau ist mal ein wenig heller mal ein wenig dunkler und manchmal eben auch Pechschwarz. :) Außer natürlich die Tyraniden die sind eine missverstandene Rasse die haben doch nur Hunger ;)

    Aber alle haben auch eine entsprechende Motivation für ihr handeln und das macht es so besonders.

    Und da finde ich GW auch etwas sehr gut gemacht. Der Fluff ist ja auch bewusst, teils aus offiziellen Quellen, widersprüchlich gehalten. Also wenn einem etwas nicht gefällt hat man immer die Möglichkeit für sich darum zu bauen. Ich habe mich zB sehr lange sehr schwer damit getan warum die Inquisition sämtliche Menschen am liebsten einfach umbringt die Kontakt mit dem Chaos hatten. Fand immer extrem ungerecht und auch extrem verschwenderisch. Inzwischen kann ich aber zumindest in Teilen die Motivation in Teilen nachvollziehen was mir auch hilft bestimmter Charaktere nachzuvollziehen. Gut finde ich das natürlich deswegen noch lange nicht. :)

    Für mich ist deswegen auch jede Schlacht die mit meiner Armee spiele eine kleine Geschichte. Ohne den Fluff wäre ich vermutlich gar nicht in der Richtung aktiv geworden oder würde irgendein anderes System spielen.

    "One unbreakable shield against the coming darkness,
    One last blade forged in defiance of fate,
    Let them be my legacy to the galaxy I conquered,
    And my final gift to the species I failed."

    — Inscription upon the Arcus Daemonica, attributed to the Emperor of Mankind

    In der Kampagne "Krieg um Smarhon" erhaltene Orden:


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  • Mondschatten Genau, ich bezog mich auf unsere Diskussion ob andere Autoren / Kreative bestehende Charaktere eines anderen Autoren weiterführen können / dürfen / sollen. Ich hab dann einfach zwei Beispiele mir rausgegriffen die mir grade in den Kopf kamen. Ich hätte ebenso auch Cruella de Vil oder den Marshmallow Man nennen können. Beides Charaktere bei denen es für mich nicht funktioniert hat. Beim Letzteren wurde sogar ein kompletter Aspekt des Charakters unterschlagen, nur um ihn auf die gute Seite zu ziehen.

    Vielen Dank für die kulturhistorischen Ausführungen zu Malificent. Ich hatte immer vermutet das Disney die Namen aus dem Ballett von Tschaikowski übernommen hat da das noch mal ein ganzes Stück älter ist 🤔

    Eldracor Das Graue gab es im 40k Universum von Anfang an. Das hat GW ja bewusst so angelegt damit jede Fraktion gegen jede Fraktion kämpfen kann (Selbst innerhalb des Imperiums). Mein (subjektives) Problem stammt eher von meinen Headcannon. Da die Chaos Götter aus der Anfangszeit von 40k als das ultimativ Böse galten, waren für mich auch ihre Diener entsprechend Böse. Da hat es einfach nicht gepasst das sie dann halt verschiedene Stufen von Grau wurden.

    Deine Ausführungen bringen mich aber zu der Frage ob es mittlerweile auch Fluff gibt der die 4 Chaos Götter in den Graubereich rückt? Wenn alles verschiedene Lagen von Grau ist müsste das ja auch auf diese zutreffen. Und ich muss zugeben das würde ich gerne mal lesen, und sei es nur um zu sehen wieviel seit den Realm of Chaos Büchern retconned wurde.

    Nur um es klarzustellen, ich habe keine Probleme mit grauen Charakteren an sich. Ich fand es zum Beispiel sehr Schade das sie in der Alita Battleangel Realverfilmung aus dem genial geschriebenen grauen Charakter des Dr Nova den ultimativen Villain gemacht haben.

    Genauso finde ich Misa Amane als Charakter wesentlich interessanter als Light oder L.

    Und nur um sicherzustellen das es hier keine Verwechslung gibt. Es ging mir beim Eröffnungspost NICHT darum zu sagen das der 40k Fluff schlecht ist. Ich wollte nur erzählen warum er mich persönlich nicht abholt, obwohl ich das Spiel nun seit Jahrzehnten mal mehr, mal weniger regelmäßig spiele.

    Ich finde es sehr interessant zu lesen was der Fluff euch bedeutet und wie stark er euch bei euren Spielen beeinflusst. Ich hoffe das hier noch weitere Wortmeldungen gibt und wir noch mehr Einblicke bekommt.

    Vielleicht hat ja auch jemand einen Vorschlag für mich welches Buch oder Fluffstück für mich interessant sein könnte wenn ich nun mal die Art des Fluff aus RT Tagen mag. 😀

    • Offizieller Beitrag

    Deine Ausführungen bringen mich aber zu der Frage ob es mittlerweile auch Fluff gibt der die 4 Chaos Götter in den Graubereich rückt? Wenn alles verschiedene Lagen von Grau ist müsste das ja auch auf diese zutreffen. Und ich muss zugeben das würde ich gerne mal lesen, und sei es nur um zu sehen wieviel seit den Realm of Chaos Büchern retconned wurde.

    Das coole ist ja das der Fluff aus einem Buch immer nur eine individuelle Sicht auf ein bestimmtes Thema widerspiegelt. Und so kann man den Fluff finde ich sehr schön auch für sich selbst einordnen. Was die Chaosgötter an sich betrifft sind sie, meiner Meinung nach eher im dunkelgrauen Bereich angesiedelt. Ich halte sie für Durchweg böse aber ich spiele auch seit über 15 Jahren Grey Knights ;)

    Ich würde dir mal die Bücher der Black Legion Reihe von Aaron Dembski-Bowden empfehlen. Dort sieht man eben auch das selbst unter den Chaosanhänger selbst das Bild über die Chaosgötter kein homogenes ist, nicht mal innerhalb der eigenen Legion. Und bei gut und böse stellt sich ja auch immer die Frage aus welcher Sicht und Motivation heraus? Wobei das vermutlich nun eine sehr philosophische Diskussion werden würde.

    Was ich mit alles ist grau meinte ist, dass es eben kein weiß gibt. Natürlich gibt es "gute" Charaktere aber die Fraktionen als solche sind eben alle irgendwo grau in unterschiedlichen Schattierungen. Aber letzten Ende halte ich es beim Fluff genauso wie mit allem anderen im Hobby wenn es mir gefällt wird es genutzt wenn es mir nicht gefällt ignoriere ich es halt. :)

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    • Offizieller Beitrag

    Ich würde sagen, die Chaos-Götter sind nicht böse - weil sie dem Wesen nach außerhalb der Kathegorien von Gut und Böse stehen. Sie sind, was sie verkörpern und sie handeln gemäß dem, was sie sind. Die moralische Einordnung erfolgt durch die Sterblichen. Deshalb verstehe ich Chaos-Anhängerschaft auch als die Aufhebung jeglicher moralischer Kathegorien, und daher auch nicht als objektiv böse.

    Dabei muss ich grade daran denken, wie sehr z.B. die Codices der 3. Edition aus menschlicher/imperialer Sicht geschrieben sind, und zwar auch die der Nicht-Menschen-Fraktionen. Und aus der Persekpekrive ist natürlich alles fremdartig, böse und verabscheuungswürdig. Beim Eldarcodex nervt mich das noch heute rückwirkend. Vor allem aber, wenn in den Vorstellungen manchen sich das dann so verfestigt hat, wie es dort dargestellt wird, - fremdartig, nicht zu verstehen - und man sich dann anhören muss, dass wenn man aus der Eldar-Innenperspektive schreibt, man die Eldar zu "menschlich" darstellt. Nein, sorry, ihr habt euer Bild aufgrund einer Darstellungsperspektive gemacht, dass sie bewusst als fremdartig und unmenschlich skizziert. Aber wenn man aus ihrer eigenen Sicht schreibt, macht das einfach keinen Sinn.

    Allein an solchen Perspektivwechseln bricht schon die Linie zwischen Gut und Böse. Zum Glück hat sich das in den Codices aber mittlerweile geändert und schildert alle Fraktionen aus einem neutralen Standpunkt, quasi aus Autorensicht.

    • Offizieller Beitrag

    Die moralische Einordnung erfolgt durch die Sterblichen.

    Trifft das nicht immer zu?

    Vor allem aber, wenn in den Vorstellungen manchen sich das dann so verfestigt hat, wie es dort dargestellt wird, - fremdartig, nicht zu verstehen - und man sich dann anhören muss, dass wenn man aus der Eldar-Innenperspektive schreibt, man die Eldar zu "menschlich" darstellt.

    Also ich finde schon ein Eldar sollte seine eigenen Beweggründe nachvollziehen können und für sich auch in einem entsprechenden Rahmen handeln. Da finde ich es aber im Gegenzug wichtig das man bei Interaktion mit Menschen diese als fremdartig bewertet und nicht verstehen kann. :)

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