Anton Kalen - Der Anfang vom Ende

  • -Anton Kalen-

    Der Anfang vom Ende




    Kapitel I



    Kommentare sehr gerne hier!



    Da Schriftdeutsch nicht meine Muttersprache ist, ist Korrekturlesen für mich recht Aufwendig. Da es sich hier um ein nicht-kommerzielles Projekt handelt, habe ich demnach darauf verzichtet. Ich entschuldige mich schon jetzt für allfällige Fehler. Falls mir zufällig mal was auffällt, werde ich das natürlich nach und nach korrigieren. Allenfalls durch euch gemeldete Fehler werden ASAP korrigiert.


    Diese Fanfic wird in unregelmässigen Abständen neue Kapitel erhalten. Ein Release-Datum für Kapitel II gibt es nicht nicht (und wird es nicht geben - it's done when it's done).

    Gerne nehme ich auch kritische Kommentare entgegen oder lasse mich auf Diskussionen über das Setting, die Charaktere, ihre Denkweise etc. ein; beziehungsweise würde mich das sogar freuen und motivieren, dranzubleiben :)


    Oh, und ich habe gerade gemerkt: Die von mit gewollte Formatierung hat das Kopieren ins Forum leider nicht überlebt... Möglich, dass die Absätze zT etwas komisch wirken; ich habe nur schnell im Eiltempo diese Nachgearbeitet.

  • I


    »Anton, spürst Du das?«


    Eine sanfte Stimme erfüllte den Geist des Inquisitors, der gerade die Missionsparameter im Einsatzraum der Gebirgsvagabund überprüfte.


    »Diese Leere… Eine so unendliche, verzerrende Leere… Passt da unten auf Dich auf!«


    Echte Besorgnis schwang mit Ashenyas Stimme mit. Doch auch Anton spürte, dass diesmal etwas anders war. Er selbst spürte diese Leere, die seine Gefährtin verunsicherte. Es schien, als ob der ganze Planet in einem tiefen, dunklen Abgrund lag; als ob etwas alle Schatten im Warp – ja sogar den Warpraum selbst – verschlang. Die Warpsignatur all der vielen Seelen auf Ysraal VI, die man eigentlich spüren sollte, war einfach nicht da. Dies würde wahrlich kein Routineeinsatz werden.


    »Ja. Ich spüre es auch«, antwortete Anton telepathisch. »Doch was auch immer der Grund für diese Leere ist… Es ist meine Pflicht, die Vorkommnisse auf dieser Welt zu untersuchen. Es ist meine Bestimmung, das Imperium vor allen Gefahren zu schützen, mögen sie noch so unbegreiflich sein.«


    »Anton. Ich habe Angst«, erwiderte Ashenya, wenig überzeugt, dass seine Bestimmung Anton unsterblich machen würde. »Ich habe so schreckliche Angst. Diese Leere ist bösartig. Schlimmer, als die viele Schrecken, gegen die wir bisher angekämpft haben.«


    Der Inquisitor konnte die Quarr’va verstehen, doch blieb ihm keine Wahl. Der Ordo Xenos verlangte eine Untersuchung, und wenn so eine der unzähligen Gefahren für das Imperium abgewendet werden konnte, so gab es nichts Notwendigeres, als dieser Anomalie nachzugehen. Ruhig blickte er über die flackernden Monitore, welche Daten über die Welt unter ihnen anzeigten.


    Ysraal VI war eine unbedeutende Welt im Ricknah-Sektor, auf der es neben der Hauptmakropole mehrere kleinere Städte gab, in denen die Bevölkerung bisher ein relativ ruhiges, gutes Leben führen konnte. Wochen zuvor jedoch, wurde die Welt von massiven Unruhen erschüttert, in deren Folge sich grössere Teile der Bevölkerung gegen das Imperium wendeten. Der darauffolgende Krieg verheerte die von der Hauptstadt nord-östlich gelegenen Provinzen. Erst durch Einsatz des Astartes-Ordens der Red Wolves, konnte das Imperium die Oberhand gewinnen; und die Häretiker, die von Chaos Space Marines angeführt wurden, wurden in den Dschungel zurückdrängt. Während Truppen des 101. Armageddon und der Red Wolves im unzugänglichen Urwald jagt auf die übriggebliebenen Ketzer machten, tauchte wie aus dem Nichts eine neue Bedrohung auf: Fremdartige Maschinenwesen griffen ohne Vorwarnung die vom Krieg gezeichneten Siedlungen der Ysraaler an und vernichteten alle, die sich ihnen in den Weg stellte. Eine gewaltige Gegenoffensive der Imperialen Armee und des Adeptus Astartes konnte den Vormarsch dieser unheimlichen Bedrohung zwar stoppen, musste dabei aber schwere Verluste hinnehmen.


    Anton war nun als Gesandter des Ordo Xenos damit beauftragt, die Gefahr, die von diesen Alien-Maschinen ausging, abzuwenden. Während Space Marines und Imperiale Armee, in den peripheren Gebieten die Stellung gegen immer neue Angriffe des neuen Feindes hielten, musste sich Anton sich einen Überblick über die Situation schaffen und dann entscheiden, wie das Imperium vorgehen sollte. Er würde in der Hauptstadt landen und sich mit den militärischen Befehlshabern kurzschliessen, um eine Idee zu bekommen, wie die Lage steht. Dann musste er sich zwangsläufig zur Front begeben, um den Feind zu identifizieren und herauszufinden, wie man ihn vernichten konnte. Sein Team würde auf der Gebirgsvagabund bleiben; Anton wollte es nicht unnötigen Gefahren aussetzten.


    Nachdem der Inquisitor sein Vorgehen festgelegt hatte, bat er den Astropathen seines Schiffes, die Führungskräfte der Imperialen Truppen von seiner Anwesenheit in Kenntnis zu setzten, und begab sich dann zum Schiffshangar, wo der ein Aquila Lander zum Einsatz bereit stand. Sobald Anton sich innerhalb des Transporters befand, lösten eine Unzahl Servitoren die unzähligen dicken Kabel, welche im Hangar das Schiff mir Energie versorgten, sowie den mächtigen Schlauch, über den der Transporter mit Promethium betankt worden war. Mit einem ohrenbetäubenden Rauschen starteten die Triebwerke des Aquilas, während sich die Hangartüren langsam öffneten. Der Pilot steuerte das Landungsschiff mit routinierter Gelassenheit aus dem Rumpf des Kobra-Klasse-Zerstörers und nahm sogleich Kurs auf die Hauptmakropole. Schon nach kurzer Zeit durstiess der Transporter die Atmosphäre, wobei Anton heftig durchgeschüttelt wurde. Er würde sie nie daran gewöhnen.


    Obwohl er keine Probleme damit hatte, zwischen den Sternen hin und her zu reisen, war ihm dieser eine Moment, wenn das Schiff in die Atmosphäre eindrang, immer unangenehm. Lieber setzte er sich bei Warpreisen der Gnade des Imperators aus, als sich wie jetzt den Gesetzen der Physik unterzuordnen.


    Der Inquisitor spürte die aufkommende Übelkeit. Wahrhaftig – er hasste das. Nach einer gefühlten Ewigkeit verringerten sich die Vibrationen langsam, bis das Schiff schliesslich den Wiedereintritt erfolgreich beendete. Unter ihnen eröffnete sich Outrus, der grösste und einzig besiedelte Kontinent von Ysraal VI. Dunkles, sattes Grün überzog grossflächig die äquatoriale Zone, scharf begrenzt durch mächtige Gebirgsketten, die wie ein Haifischgebiss in den Himmel ragten. Mit unendlichen Gletschern übersäht, mussten die weissen Gipfel nahezu zehntausend Meter hoch sein. Auf der anderen Seite des Gebirges fiel das Gelände steil ab; eine vertrocknete, erodierte Felslandschaft nahm dessen Platz ein. Polwärts flachte die Topographie weiter ab und die zerklüfteten Plateaus verwandelten sich in weiten Steppen, die hin und wieder durch riesige Seen geteilt wurden. Auf einer gigantischen Halbinsel lag sodann die Hauptmakropole, das eigentliche Ziel Antons.


    Als der Pilot den Sturzflug beendete und eine flache Flugbahn hin zur Makropole ansteuerte, knarzte das Schiff fürchterlich. Verschiedene Verbindungselemente quietschen unheimlich unter den unglaublichen Kräften, die auf die Aussenhülle des Aquila einwirkten. Anton beobachtete, wie sich einige Kabel- und Schlauchverbindungen aus den ungezählten Schaltelementen lösten, worauf wahlweise irgendwelche Gase mit hohem Druck austraten, oder die Leitungen sich mit kleinen Blitzen an den umliegenden Armaturen entluden.


    Wissend um das hohe Alter des Aquila und der Sorgfalt, die die Tech-Priester bei der Pflege der gesegneten Maschine aufwendeten, war Anton jedoch kaum beunruhigt. Es war völlig normal, dass sich nach ein paar tausend Jahre irgendwelche Kabelverbindungen lösten. Das passierte bei jedem Wiedereintritt. Der Inquisitor fragte sich, ob es wohl jedes Mal wieder andere Verbindungen waren, oder einfach immer die gleichen Schwachstellen nachgaben. Unabhängig davon wusste er aber mit Sicherheit, dass das Schiff nach jeder Landung wieder hergerichtet wird, um unbeschadet weitere Einsätze durchzuführen.


    Endlich erreichte sein Shuttle den Fuss der Makropole; ein gigantischer Moloch aus Stahl und Beton mit kilometerlangem Durchmesser. Sein Pilot hatte inzwischen sicherlich per Funk mit der fliegerleitzentrale Kontakt aufgenommen und bekam just in diesem Moment die Landeerlaubnis und -koordinaten. Beim Anflug auf das Landepad blickte Anton durch die Beobachtungskuppel über die Stadt. Verglichen mit anderen Makropolen wie zum Bespiel Necromunda, war diese hier fast schon winzig klein. Entsprechend schienen aber die Lebensbedingungen deutlich freundlicher zu sein: Durch die geringere Bevölkerung hatte es zwischen den Gebäuden immer wieder kleine Plätze, teils einfache, leere Plätze, die aber etwas Luft zum Atmen – und Sonnenlicht – spendeten; teils Plätze mit grünen Parkanlagen, die einen wahrlich angenehmen Eindruck machten. Die Luftqualität musste hervorragend sein. Der dicke, toxische Smog, lichtete sich bereits nach schätzungsweise nicht einmal einem Kilometer Höhe.


    Da sie schon fast an ihrem Ziel angekommen sind, heulten die Bremstriebwerke auf. Die leichten Vibrationen, die durch den Bremsvorgang erzeugt wurden, erinnerten Anton unangenehm an den Wiedereintritt. Das gleichmässige Zischen irgendwelcher gebrochenen Gasleitungen lenkte seine Aufmerksam aber erfolgreich auf das scheinbar unlogische, verwirrende Chaos aus Rohren, Kabeln und Schläuchen, dass das Innere des Aquilas zierte. Mit einem dumpfen Schlag setzte das Schiff sanft auf dem Landepad auf – der Pilot hatte sich selbst übertroffen und den Transporter mit grösster Präzision gelandet. Er hatte den Schub so angepasst, dass das Schiff exakt in dem Moment zum Stillstand kam, als es auf der Plattform aufsetzte. Die Triebwerke schalteten in Leerlauf und die Schiffssysteme fuhren hinunter. Nach einem kurzen Moment der Ruhe, begann die Türhydraulik zu beben, als die Transportluke sich öffnete. Zusammen mit den ausgetretenen Gasen, die sich flimmernd an der frischen Luft verflüchtigen, trat Anton nach draussen. Der Himmel über der Makropole war vollkommen Wolkenlos. Die Sonne stand in steilem Winkel am Himmel, ohne dass die Temperatur jedoch unangenehm heiss gewesen wäre.


    Der Inquisitor blickte um sich. Mehrere Reclaimatoren und Servitoren schwärmten um sein Schiff herum aus, um es für den Rückflug vorzubereiten. Am unteren Ende der Rampe zur Plattform, stand eine kleine Abteilung Imperialer Soldaten – wahrscheinlich sein Begrüssungskomitee. Die Nachricht seines Astropathen schien rechtzeitig eingetroffen zu sein.


    »Gut gemacht, Soldat«, wandte sich Anton an seinen Piloten, der das Schiff hinter ihm verliess, während er selbst noch den Landeplatz inspizierte. »Erneute Einsatzbereitschaft in drei Stunden. Nehmen sie sich einen Moment frei.«


    Der Soldat salutierte stumm und drückte einem der Tech-Priester noch irgendwelche technischen Dokumente in die Hand, ehe er die Plattform verliess. Der Inquisitor tat es ihm gleich, und Schritt den Imperialen Gardisten entgegen, die sofort stramm standen und äusserst zackig Salutierten. Sie trugen standardisierte cadianische Armaplastrüstungen in dunklem Grau und eine perfekt gebügelte, hellblaue Uniform. Anton war sich sicher, dass es sich um Mitglieder einer Gardeabteilung handelt musste. Der Gouverneur Ysraal VI musste eine hohe Meinung von der Inquisition haben – oder aber er versuchte, seine Gunst mit Gefälligkeiten zu gewinnen. Als Anton die Formation erreichte, trat ein junger Leutnant hervor. Trotz der Anomalie im Warp, die noch immer gut spürbar war, fühlte er – als der Offizier direkt vor ihn trat – dessen Geist. Wenigstens musste er nicht vollkommen auf seine psionische Gaben verzichten.


    »Willkommen in der Hauptstadtmakropole, Inquisitor«, begrüsste ihn der Soldat. »Leutnant Nemiroff der 6. Makropolgarde meldet sich zu euren Diensten.«


    Anton konnte auch ohne seine psionische Fähigkeiten erkennen, dass Leutnant Nemiroff äusserst Nervös war. Er spürte aber auch, dass dieser ihm ehrlichen Respekt entgegen brachte. Anton nahm an, dass Nemiroff erst vor kurzem zum Offizier befördert wurde und daher versuchte, seinen Dienst so pflichtbewusst wie nur möglich zu leisten. Ausserdem war er offiziell als Agent des Ordo Xenos angekündet worden – er war in dieser Funktion praktisch Stellvertreter des Imperators höchst selbst und hatte mehr Befugnisse als alle anderen Imperialen Führungspersonen hier auf Ysraal VI. Wahrscheinlich war er sogar der höchste Beamte, den dieser Leutnant in seinem ganzen Leben je getroffen hatte. Anton konnte seine Nervosität durchaus nachvollziehen – auf jeden Fall in Anbetracht der Imperialen Propaganda, die wohl auch hier äusserst effizient war.


    Um Grunde genommen war Anton nicht viel mehr wert als dieser Soldat. Er war, wie Nemiroff – oder auch all die anderen Soldaten – nur ein Diener des Imperiums, der seine Bestimmung erfüllte. Natürlich verstand der Inquisitor auch, wieso es die imperiale Propaganda brauchte und wieso es in diesem Spiel gewisse Regeln gab, die unumgänglich zu befolgen waren. Daher lag es nicht an ihm, über Sinn oder Unsinn der imperialen Hierarchie zu bestimmen. Anton richtete sich an Nemiroff und nickte ihm wohlwollend zu. Dann Schlug er das Zeichen des Aquila – den Imperialen Gruss – worauf die Soldaten sofort und in vollkommener Synchronisation eine bequemere Haltung einnahmen und natürlich auch einnehmen durften.
    »Leutnant Nemiroff. Im Namen Terras bedanke ich mich für die Gastfreundschaft Ysraal VIs. Ich bitte Sie, mich unverzüglich zur Kommandozentrale der planetaren Streitkräfte zu bringen.«


    Anton durfte keine Zeit verlieren. Auch wenn die Front momentan stabil schien, war nicht klar, wie lange sie stabil bleiben würde. Da es sich bei den Angreiffern um eine scheinbar unbekannte Xenos-Spezies handelte, musste mit allem gerechnet werden. Nemiroff, der inzwischen deutlich ruhiger wirkte, nickte zackig und wies seine Abteilung an, den Inquisitor zur Kommandozentrale zu bringen. Von den blutjungen Garde-Soldaten abgeschirmt – Anton war sich sicher, dass wohl keiner davon je im Kriegseinsatz stand – folgte er Nemiroff, der die Gruppe anführte. Die Strassen und Gassen der Makropole, teils unter freiem, Himmel, teils in langen, von künstlichem Licht erhellten Korridoren, waren in tadellosem Zustand. Anton war positiv überrascht; normalerwiese – gerade im Bereich der Landungspads – waren die Strassen mit verdreckten Arbeitern, Bettlern und zwielichtigen Händlern übersäht. Stinkende Abgase und offene Mülldeponien gehörten normalerweise zu jeder Makropole, so wie der Bolter zu einem Astartes-Krieger gehörte. Ysraal VI schien aber eine Ausnahme zu sein. Während sie immer tiefer in das Innere der Makropole vordrangen, überlegte sich Anton, was wohl die Ursache für diese Unterschiede sein konnte. Hier schienen die meisten zivilen Abläufe hervorragend zu funktionieren. Die äusserst geringe Militärpräsenz auf den Strassen der Makropole, liess den Inquisitor darauf schliessen, dass selbst die Sicherheit ohne Problem gewährleistet werden konnte.
    Vermutlich, so dachte Anton, lag es unter anderem auch daran, das Ysraal VI bis vor kurzem vom Krieg verschont geblieben war. Krieg verändert nicht nur die Soldaten, die in ihm kämpfen. Er verändert auch eine Gesellschaft nachhaltig. Als Inquisitor war er schon auf vielen kriegsgebeutelten Welten und hat schon viele Menschen gesehen, die an den Schrecken des Krieges zerbrochen sind. Hier spürte man die Auswirkungen des Krieges nicht im Geringsten – noch. In den äusseren Provinzen, wo die Aufstände gegen das Imperium ihren Anfang nahmen, sah die Situation wahrscheinlich deutlich anders aus. Und würden die Xenos die Front durchbrechen, so würde der Krieg auch die Makropole verschlingen.


    Es war wirklich eine Schande. Es schien, als ob sich wirklich nichts und niemand dem Krieg entziehen kann.


    Endlich gab Nemiroff das Kommando zum Halt. Sie befanden sich vor einem Transporthub, in dem unzählige Waren- und Personenlifte zu den verschiedenen Ebenen der Makropole führten. Der Leutnant führte sie zu einem militärisch abgesicherten Bereich und meldete den Inquisitor beim Kontrollpunkt an. Gemäss den gängigen Sicherheitsprotokollen musste sich Anton identifizieren, um abschliessend Zugang zu allen Bereichen der Stadt zu erhalten. Der Inquisitor schob seine Inquisitions-Rosette in den Mund des Servitors, der offenbar in die Wand eingearbeitet wurde und durch unzählige Schläuche und Kabel mit den Kontrollsystemen verbunden war. Es dauerte einen kurzen Moment, bis die implantierten Systeme des Servitors alle Daten auslesen konnte. Ein schweres, metallischen Atmen zeugten von der ungewohnt hohe Leistung, die der Prozess dem Servitor abverlangte. Endlich bestätigte die mechanische Stimme die Echtheit der Rosette.


    »Inquisitor – Anton Kalen – Identität – bestätigt – Willkommen – in der – Hauptstadt – Makropole«, schepperte es den aus Lautsprechern, die in den Augenhöhlen montiert wurden, da wohl die Stimmbänder für Sensoren und Lesegeräte entfernt wurden.


    »Ihr Servitor benötigt eine Rechen-Optimierung«, wandte sich Anton an den Wachoffizier des Kontrollpunktes. Es war offensichtlich, dass ihn das Auslesen der Inquisitions-Rosette an seine Grenzen gebracht hatte. »Ich werde veranlassen, dass sich ein Tech-Priester darum kümmert.«


    Mit einem dankendem Nicken und einem respektvollen Salut gab der Offizier den Weg frei. Nemiroff übernahm wieder die Führung und brachte den Inquisitor vor einen weiteren Kontrollpunkt.


    »Hier trennen sich unsere Wege«, sagte Nemiroff fast schon enttäuscht. »Dieser Bereich ist nur für Stabsmitglieder freigegeben. Es war mir eine Ehre, euch zu dienen!«


    Anton schlug das Zeichen des Aquilas, um den Leutnant zu entlassen, der Anton sogleich bei einem gelangweilt aussehenden Major anmeldete. Sobald dieser realisierte, dass der Inquisitor angekommen war, richtete er etwas panisch die Uniform und kam Anton entgegen.


    »Major Lemberg, Stabsabteilung«, nuschelte dieser etwas überrumpelt, während er etwas gequält Salutierte. »Transportlift 96-2 führt Sie direkt zur Kommandozentrale. Äähm… Eine Ehre. Also, eine Ehre euch dienlich zu sein!«


    Anton grinste innerlich. Ein typisches Beispiel für einen Berufsoffizier, der zu langweiliger Schreibtischtätigkeit abkommandiert wurde. Gelengweilt und unterfordert verlieren sie schnell Disziplin und Pflichtbewusstsein. Ohne Uniform wären sie wohl nicht von einfachen Bürokraten zu unterscheiden. Dennoch war Anton sehr wohl bewusst, dass Niemand eine Militärkarriere einschlägt, um eine solche Aufgabe zu übernehmen. Die Rekrutierungskampagnen verschweigen sehr gerne, dass ein nicht unwesentlicher Teil des Militärs in Logistik und Administration tätig ist. Manche mögen sich bei der Armee melden, um heldenhaft im Dienste des Imperiums gegen die Feinde der Menschheit zu kämpfen, ja, sogar freiwillig darum bitten, direkt an der Front stationiert zu werden. Doch die Imperiale Armee muss zu aller erst ihre eigenen Bedürfnisse erfüllen. So gibt es wohl Millionen tapferer Idealisten, alle bereit, den Heldentod zu sterben, die durch reines Pech dazu Ausgewählt werden, eine solch ermüdende, undankbare Arbeit zu verrichten. Und – da nur der Tod vom Dienst befreit – werden diese Männer und Frauen bis an ihr Lebensende dazu verdammt sein, nie endende Routinearbeiten durchzuführen. Dass Disziplin und Pflichtbewusstsein in dieser Situation mit der Zeit nachlässt, sah Anton als gegeben. Es war schlicht menschlich. Natürlich entspringt Ketzerei aus Müssiggang; aber nach Antons Ansichten sind diese – natürlich unleugnenbaren – Fälle, nur besonders gefährliche Ausnahmen.


    Der Inquisitor entliess den Major – der sich daraufhin so schnell wie möglich in sein Büro zurückzog – und begab sich zum besagten Transportlift. Sobald er eingetreten war, aktivierte ein Servitor die Liftsteuerung. Mit unglaublichem Krächzten und Quietschen begann die Kabine, zur Spitze der Makropole aufzusteigen. Anton war kurz davor, die Geduld zu verlieren, als der Lift endlich am Zielpunkt angekommen war. Um sich während der endlosen fahrt wenigstens etwas Abzulenken, versuchte der Inquisitor, die Gesichtsmimik des Servitors, der den Lift bediente, zu studieren – musste aber feststellen, dass dieser keinerlei Mimik besass und nur geistlos vor sich hinstarrte. So blieb ihm nichts anderes übrig, als für die Dauer der Fahrt einfach die kalten, stählernen Kabinenwände anzustarren. Das Öffnen der schweren Lifttüren war wortwörtlich ein befreiender Moment.


    Anton trat vor und befand sich direkt in der Kommandozentrale der PVS. Im Gegensatz zur Makropolenstadt, fühlte er hier definitiv den Schauer des Krieges. Die Zentrale war zwiebelförmig aufgebaut. Der äusserste Ring beinhaltete Beobachtungsposten, von denen man auf eine Seite Kilometer weit über das Umland der Hauptstadtmakropole, bis an die gewaltigen Bergketten, die das Trockenland und den tropischen Dschungel voneinander trennten, blicken konnte. An der anderen Seite bot sich ein ehrfürchtiger Ausblick über die Süd-West-Seite Makropole. Zwischen den einzelnen Beobachtungsstellen lagen verwaiste Abschussvorrichtungen für Radarsuchkopfraketen. Mit einer dicken Schicht aus vertrocknetem Schmierfett überzogen und vollkommen in einen Staubmantel gehüllt, war offensichtlich, dass diese Raketenstellungen – wenn überhaupt – schon Jahrzehnte nicht mehr im Einsatz waren.
    Da das wenige Licht, dass durch die Beobachtungsposten von draussen nach innen drang, von den dunklen Wänden aus grobem Panzerstahl fast vollständig verschluckt wurde, hingen eine Vielzahl kleiner Glühbirnen von der Decke. Sie spendeten jedoch nur flackerndes Rotlicht, was Anton sofort an die Verteidigungsstellungen des 19. Krieg-Infanterieregiments erinnerte, welches er während der Thule-Offensive vor fünf Jahren begleitete. Solch bescheidene Zustände hätte er hier auf Ysraal VI jedoch nicht erwartet.


    Obwohl der Inquisitor gerne die Aussicht über die Makropole genossen hätte und sich eine kleine Pause in einem der Beobachtungsstände hätte gönnen können, war im Bewusst, dass er im schlimmsten Fall gegen die Zeit spielte. Er musste auf ein solches Kleinod verzichten. Er hatte die Verantwortung über Milliarden Bürger des Imperiums und würde diese Verantwortung verdammt ernst nehmen. Dafür wurde er ausgebildet, dafür diente er der Inquisition. Etwas über die Umstände seines Besuches enttäuscht, schritt er weiter und begab sich in den zweiten Ring der Zwiebel. Dieser war wie die Aussenwand, nochmals von dicken Panzerplatten umgeben. Offiziere, Servitoren und hohe Beamte wuselten gestresst herum und bearbeiteten an einer nie enden wollender Zahl kleiner, enger Arbeitsplätze, verschiedenste Formulare und Dokumente. Hier war die Logistikzentrale dieser Welt – der vielleicht wichtigste Teil der planetaren Streitkräfte. Typisch für das Imperium, liefen alle Anfragen und Bewilligungen nur über eine einzige Stelle. So musste jeder Befehl, jede Bestellung und ganz allgemein jedes Stück Papier, dass die Armee betraf, diese endlosen, in Rotlicht getauchten Büros passieren. Servitoren mit integrierten Tintenstrahldruckern spien nahezu durchgehend neue Dokumente aus, die von einer bemerkenswerten Vielfalt an mechanisch-organischen Wesen zu ihrem jeweiligen Zielort gebracht wurden. Das Ziel des Inquisitors war jedoch der innerste Kern der Zwiebel: Der Sitz des planetaren Oberkommandos.


    Von den dauergestressten, hektischen Schreibtischarbeiter weitgehend ignoriert, begab sich Anton näher zum Kern der Zentrale. Vor der Durchgangstüre zum innersten Teil stand dann auch der definitive Beweis, dass der Krieg auch auf Ysraal VI mit voller Härte wütete: Zwei Marines des Adeptus Astartes standen wache; zwei Meter grosse Hünen, genetisch verbesserte Elitekrieger des Imperators. Die Engel des Todes; Beschützer der Menschheit. In ihren mächtigen Servorüstungen waren sie wahre Kolosse. Als sich der Inquisitor ihnen näherte, zogen sie sofort ihre Bolter straff an die Brust und nahmen Haltung an.


    »Der Imperator beschützt!«


    Die Begrüssung des Space Marines donnerte mit der für Astartes-Servorüstungen typischen Verzerrung. Anton quittierte den Gruss mit dem Zeichen des Aquila und betrat den zentralen Kommandoraum. Flackernde Röhrenbildschirme bedeckten die Wände und zeigten allerlei offenbar wichtige Daten. Zahlreiche, äus serst beschäftigte Stabsoffiziere taten ihren Dienst und koordinierten über antiquierte Rechner, die wohl aus längst vergangenen Zeiten stammten, die Verteidigungsbemühungen auf Ysraal. Hinter einer angedeuteten Raumteilung erkannte der Inquisitor einen einzelnen Astropathen, der einen äusserst kränklichen Eindruck machte. Dennoch stellte dieser eine schnelle und effektive Kommunikation sicher; dem Inquisitor war bewusst, dass seine Anwesenheit ein deutliches Indiz dafür war, das der Kommandostab durchaus Effizienz arbeitete. In der Mitte der Kommandozentrale befand sich ein gigantischer Tisch mit einer Holo-Projektion der Planetenoberfläche. Am hinteren Ende des Tisches erblickte Anton eine kleine Gruppe Offiziere, die sich aufmerksam um drei offenbart wichtige Individuen scharrten – und mit genau diesen Personen, musste der Inquisitor dringen sprechen.
    Als sich Anton der Menschentraube näherte, zogen sich bis auf die drei Kommandeure alle anderen Offiziere zurück. Da er unschwer als Inquisitor zu erkennen war – sowohl Umhang als auch Uniformrock, waren mit Symbolen des Ordo Xenos verziert – war diese Reaktion nachvollziehbar. Übernahm ein Inquisitor die Befehlsgewalt, waren die unmittelbaren Folgen dessen, oft Exekutionsbefehle. Doch Anton war weder hier, um die Militärführung zu säubern, noch, um das Oberkommando zu übernehmen. Natürlich war es eine Tragödie, dass die feindseligen Xenos nicht schon lange besiegt waren. Doch gegen eine vollkommen unbekannte Spezies, die laut Berichten über enorm fortschrittliche Technologie verfügte… mehr als die Stellung zu halten, konnte und wollte er nicht erwarten. Viel mehr war er hier, um mehr über diese Bedrohung herauszufinden. Ob Alien, Dämon oder Maschine, alles hatte einen Schwachpunkt. Würde er diesen Schwachpunkt finden, würde der Zorn des Imperators mit gnadenloser Härte zuschlagen und alle, die sich der Glorie des Imperiums widersetzten, zerschmettern.


    Einer der drei Gestalten schritt ihm direkt entgegen. Der Astartes trug eine meisterhaft gefertigte, rote Servorüstung mit schwarzen Mark-VI-Schulterpanzern. Ein schlichter brauner Umhang kontrastierte mit prunkvollen Ehrenabzeichen aus Juwelen, Gold und Platin, und verlieh dem Marine trotz all der Schmuckstücke eine durchaus demütige Aura. Ein einzelner platin Dienstbolzen an der Stirn zeugten von wohl mindestens einem Jahrzehnt als Captain seiner Kompanie.


    »Captain Hamad, 3. Kompanie der Red Wolves, Befehlshaber der Einsatzgruppe Kasbah.«


    »Anton Kalen, Inquisitor des Ordo Xenos«, stellte sich Anton vor. Er wusste, dass viele Astartes gegenüber der Inquisition mehr als nur misstrauisch waren und war gespannt, wie der Captain auf das offensichtliche reagieren würde.


    »Es ist mir eine Ehre, Inquisitor. Die Red Wolves stehen auch zur Verfügung«, entgegnete der Marine, der – zu Antons Verwunderung – seine Autorität ohne zu zögern, zu akzeptierte schien.


    »Wer hat hier das Kommando«, sagte der Inquisitor und nickte zu den beiden anderen Personen, die sich noch immer im Hintergrund hielten. »Ich brauche einen ausführlichen Lagebericht!«


    »Natales Chimed, Vertreter des Adeptus Mechanicus auf Ysraal VI.«


    Der Space Marine deutete auf eine der Gestalten, die sich ehrfürchtig verbeugte. »Und der planetare Gouverneur Admund Nekosson Tibirs, Herr über Ysraal VI und Oberbefehlshaber der PVS…«


    Hamad unterbrach seine Vorstellung für einen Sekundenbruchteil und fuhr dann mit gedämpfter, fast flüsternder Stimme fort, so dass nur Anton ihn hören konnte.


    »Unfähiger Bürokrat – Vorsicht.«


    Der Inquisitor nickte wissend. Leider war es eine Tatsache, dass viel zu viele imperiale Gouverneure, ihren Rang und ihre Titel nicht aufgrund guter Leistung verliehen bekommen hatten. Es war fast schon eine Krankheit des Imperialen Verwaltungsapparates; immer und immer wieder traf Anton auf Wichtigtuer oder auch gefährlich einfältige Personen, die diesen verantwortungsvollen Posten innehatten. Obwohl er im Gegensatz zu vielen anderen Inquisitoren, eine Exekution nur als allerletztes Mittel einsetzte, hatte er das Imperium sicherlich schon von einem Dutzend Gouverneure befreit.
    Anton trat vor den Tech-Priester und den Gouverneur und schlug das Zeichen des Aquilas. Mit einem extrem blechernen, aber sehr melodiösem Singsang, begrüsste ihn der Tech-Priester, in dem er irgendeine kaum verständliche Lobpreisung an den Imperator von sich gab. Der Gouverneur, ein etwas Untersetzer, aufgedunsener Mann, blickte ihn mit einer Mischung zwischen Verachtung und Furcht an.


    »Admund Nekosson Tibris – im Namen des heiligen Gottimperators Gouverneur dieser Welt sowie Oberbefehlshaber aller Imperialen Streitkräfte auf Ysraal VI«, begann der Gouverneur mit arrogant gehobenem Kinn zu reden, mehr Wert darauf legend, seine Autorität zu beweisen, als sich Vorzustellen.
    Anton wusste zu gut, wie er mit einer solchen Person umzugehen hatte.


    »Inquisitor Anton Kalen, Ordo Xenos«, sagte Anton und holte zum Gegenschlag aus. »Gesandt nach Ysraal VI im Namen des Ordens der Heiligen Inquisition zu Terra. Ich bin der Wille des Imperators. Ich vollstrecke sein Urteil. Der hiesigen Xeno-Bedrohung muss Einhalt geboten werden. Jeder Imperialer Bürger auf Ysraal VI hat meinen Anweisungen bedingungslos zu folgen - zuzüglich verlange ich, dass der Orden der Red Wolves meinen Willen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln durchsetz. Ich nehme an, ich habe Eure hundertprozentige Unterstützung, Gouverneur?«


    Während Captain Hamad mit einem kaum merklichen Grinsen sofort dem Inquisitor gehorsam zusicherte, veränderte sich die Haltung Tibirs‘. Selbst ohne psionische Kräfte erkannte Anton, wie die Verachtung der Wut wich und sich schliesslich in purem Entsetzen löste. Gouverneur Tibris war es sich gewohnt, seinem Rang entsprechend vor niemandem Rechenschaft ablegen zu müssen. Obwohl er durchaus wusste, dass die Inquisition existierte, hatte er jedoch nie mit dieser zu tun. Er war der Meinung, er stünde als planetarer Gouverneur an der Spitze der Imperialen Hierarchie. Nach der Ansage Kalens wurde ihm bewusst, dass er sich gewaltig geirrt hatte. Wenn selbst ein Captain der Space Marines – und wie sich in den vergangenen Tagen herausgestellt hatte, ein besonders störriger Captain der Space Marines – sich ohne den kleinsten Widerstand unterordnete, dann sollte er dem wohl gleich tun. Die zuvor widerspenstige Haltung wich einer schleimigen Unterwürfigkeit, die eines Politikers durchaus würdig war.
    »Natürlich, Herr Inquisitor, aber Natürlich«, begann Tibris mit plötzlich ungeahnt weicher und freundlicher Stimme zu sprechen. »Sagt nur, was ihr braucht; ich; ich werde es besorgen!«

    Anton hatte für den Gouverneur jedoch keine Verwendung mehr.


    »Tretet zurück! Captain Hamad, ich wünsche einen umfangreichen Lagebericht.«


    Gouverneur Admund trat mit dem Gesicht eines enttäuschten Kindes zurück und machte dem Space Marine Platz.


    »Das Helm-Gebirge schirmt die Hauptstadtmakropole nach Nord-Osten hin zum äquatorialen Dschungel ab«, begann Hamad seine Ausführungen. »Von dort schlugen uns erste Angriffswellen der Xenos entgegen. Kurz darauf rückte ein grösserer Verband des Gegners von der Südseite des Gebirges an und umgingen so die Verteidigungsstellungen bei Haq’Yahel.«


    »Und diesen Angriff habt ihr mit einer Gegenoffensive zurückgeschlagen?«, fragte Anton nach, obwohl er die Berichte dazu schon gelesen hatte.


    »Es war ein harter Kampf«, antwortete Hamad. »Als sich die Schlacht zu unseren Gunsten wendete, verschwanden die Xenos einfach. Sie scheinen über Teleportations-Technologie zu verfügen; selbst die von uns vernichteten Xeno-Konstrukte verschwanden ohne eine Spur zu hinterlassen.«


    »Und die momentane Lage?«


    »Wir können die Front halten, verloren aber die Kontrolle über die strategischen Passstrassen. Die Truppen bei Haq’Yahel, jenseits des Helm, sind eigekesselt.«


    »Die Kampfkraft der Xenos?«


    »Unbekannt. Sie greifen in steten Wellen an, egal, wie viele Verluste wir ihnen zufügen. Angst oder Furcht scheinen sie nicht zu kennen. Tech-Priester Chimed hat ihre Einsatzmittel so gut es geht analysiert.«


    Hamad beendete seine kurze Zusammenfassung und wies auf den Tech-Priester, der zu Anton hervortrat.
    »Die Technologie ist äusserst Interessant«, begann Chimed mit seinem melodischen Singsang.
    »Wir glaube, die Angreifer sind vollständig künstliche Konstrukte. Technohäresie… Vielleicht sogar Abominable Intelligence. Vollständige Vernichtung leider Notwendig. Die Wirkung ihrer Waffen entspricht keinem dem Imperium bekannten Waffensystem. Es scheint, als dass sich bei einem Treffer die Materie zersetzt – sehr gefährlich. Selbst Servorüstungen bietet keinen effektiven Schutz…«


    Anton verstand. Es war eine Schande, solch mächtige Technologie zu zerstören. Aber; würde es sich sogar um A.I. handeln – der Imperator behüte – wäre es viel zu gefährlich, diese zu untersuchen. Und ausserdem bestünde dann auch die Chance, dass die Technologie in falsche Hände geriet – was sehr schnell, sehr schlimme Folgen haben konnte. Ausserdem hatte Chimed bei der Vermutung auf Technohäresie mit Sicherheit bereits das Adeptus Mechanicum verständigt. Anton vermutete, dass wohl bereits Kampfverbände des Mechanicum unterwegs waren, um dessen Interessen zu wahren. Diese ‚Untersuchung‘ entwickelte sich ziemlich schnell zu einem Kampfeinsatz. Doch um erfolgreich gegen den Feind vorgehen zu können, musste Anton mit eigenen Augen sehen, wer oder was sich dem Imperium entgegenstellte.


    »Captain Hamad.«


    Anton wandte sich an den Space Marine. »Ich breche in den Kessel von Haq’Yahel auf. Ich muss mir vor Ort ein Bild von unseren Gegnern machen.«
    »Inquisitor«, antwortete der Captain, »Haq’Yahel ist nahezu überrannt…«


    Anton unterbrach den Space Marine. »Wir holen unsere Männer da raus. Captain, ihr bleibt hier und koordiniert weiter die Verteidigung der Hauptstadtmakropole. Gouverneur Tibris – unterstützt die Red Wolves mit allem, was in eurer Macht steht. Das Adeptus Astartes wird wohl oder übel die Hauptlast der Kämpfe tragen müssen.«


    Captain Hamad nickte zustimmend. »Ich werde euch einige Thunderhawks zur Verfügung stellen, um die Evakuation zu unterstützen. Ich kann aber keine weiteren Truppen entbehren. Ihr seid weitgehend auf euch alleine gestellt.«


    »Das wird reichen. Die Verteidigung der Makropole hat erste Priorität – und ich bin mir sicher, ihr werdet eure Pflicht mit Würde und Ehre erfüllen«, erwiderte der Inquisitor, wissend, dass er mit der Evakuation ein grosses Risiko einging. Um den Feind mit eigenen Augen zu sehen, hätte er auch zur Helm-Front aufbrechen können – die Soldaten jedoch, die eingekesselt von feindlichen Xenos die Stellungen hielten, verfügten womöglich über weitaus mehr Kenntnissen über die Fähigkeiten das Wesen ihrer Feinde. Ausserdem hatte sich Anton dem Schutz des Imperiums verschrieben – würde er nicht zumindest versuchen, einige dieser Soldaten das Leben zu retten, hätte er seine Pflicht vernachlässigt.